Zweites Gutachten: Bei Alijew-Tod kein Hinweis auf Fremdeinwirkung

12. Juni 2015, 14:09
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Schweizer Institut fand keine Indizien auf äußere Gewalteinwirkung oder Intoxikation. Ermittlungen noch nicht endgültig abgeschlossen

Wien/St. Gallen - Rachat Alijew, der am 24. Februar tot in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt aufgefunden wurde, dürfte - wie seitens der Justiz von Anfang an vermutet - freiwillig aus dem Leben geschieden sein. Diesen Schluss legt ein zweites, von der Staatsanwaltschaft Wien in Auftrag gegebenes Obduktionsgutachten nahe, das nun vorgelegt wurde.

Der Expertise des Instituts für Rechtsmedizin in St. Gallen zufolge fanden sich bei der eingehenden Untersuchung der Leiche des ehemaligen kasachischen Botschafters in Wien, in die auch die Ergebnisse eines toxikologischen Gutachtens sowie spurenkundliche Auswertungen einbezogen wurden, keine Indizien in Richtung Fremdverschulden.

"Es gibt keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung oder eine Intoxikation", gab die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, am Freitag bekannt.

Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Die Schweizer Expertise zum Ableben stützt damit das Ergebnis des Wiener Gerichtsmediziners Daniele Risser, der unmittelbar nach dem Leichenfund keinen Hinweis auf Fremdverschulden gefunden hatte und von Selbstmord ausgegangen war. Die Ermittlungen zur Todesursache des früheren kasachischen Botschafters in Wien sind allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen.

"Es sind noch Erhebungsergebnisse ausständig", so Bussek. Vor allem die langjährigen Rechtsvertreter Alijews hatten die Selbstmord-Theorie vehement zurückgewiesen. Sie hielten einen Mord für nicht ausgeschlossen bzw. vermuteten, Alijew könnte - aus welchen Gründen auch immer - in den Selbstmord getrieben worden sein.

Alijew war im Sommer 2014 in U-Haft gekommen, weil er der Entführung, Misshandlung und Ermordung zweier kasachischer Bankmanager verdächtigt wurde, die Ende Jänner 2007 verschwunden waren. Ihre sterblichen Überreste wurden erst im Mai 2011 entdeckt. Ende 2014 wurde gegen Alijew, seinen langjährigen Sicherheitsberater Vadim Koshlyak sowie den früheren Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, Alnur Mussayev, eine Doppelmord-Anklage eingebracht.

Wenige Wochen vor Prozessbeginn im Wiener Straflandesgericht wurde Alijew erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Er hatte im Zeitpunkt seines Ablebens Substanzen von fünf verschiedenen Medikamente im Blut, die er allesamt von der Justizanstalt gegen diverse Erkrankungen verschrieben bekommen hatte. (APA, 12.6.2015)

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