Listerien-Quargel: Lidl zahlt österreichischem Opfer 120.000 Euro

12. Juni 2015, 15:39
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Anwalt: Diskonter habe von Listerien-Problem gewusst, aber Behörden und Öffentlichkeit nicht informiert

Linz - Lidl Deutschland zahlt einem oberösterreichischen Listerien-Opfer 120.000 Euro - obwohl der Geschädigte den belasteten Quargel der Firma Prolactal gar nicht bei dem Diskonter gekauft hat und dieser ihn in Österreich auch nicht gelistet hatte. Begründung: Hätte Lidl schneller reagiert, wäre in Österreich weniger Schaden entstanden, bestätigte Klagsvertreter Alexander Klauser am Freitag Medienberichte.

Klausers Mandant, ein ehemaliger Arzt aus Oberösterreich, lag drei Monate im Koma und ist heute ein Pflegefall. Er hatte zur Weihnachtszeit 2009 den belasteten Quargel gegessen und erkrankte daraufhin, wie auch andere Personen in Österreich und zuvor in Deutschland.

"Im Spätherbst und Frühwinter 2009 traten in Österreich Listerienfälle auf, sogar Todesfälle", schilderte Klauser. Während die heimischen Behörden zu diesem Zeitpunkt noch völlig im Dunkeln tappten, habe Lidl Deutschland durch eigene Tests bereits seit Monaten von dem Listerienproblem bei Prolactal gewusst. Der Diskonter habe die Produkte zwar aus dem Regal genommen und sich beim Produzenten beschwert, die Gesundheitsbehörden und die Öffentlichkeit seien aber nicht informiert worden.

Nie in österreichischen Regalen

In Österreich sei der Quargel nie in die Lidl-Regale gekommen, deshalb wollte das Unternehmen bisher auch nicht zahlen. Aber: "Wenn Lidl Deutschland pflichtgemäß agiert hätte, dann wäre die Sache auch in Österreich bekannt geworden", argumentierte der Anwalt. Das sei auch der Grund für den Vergleich.

Klauser hat neben der Klage gegen Lidl auch noch etliche weitere im Namen seines Mandanten eingebracht, insgesamt ging es zu Beginn um eine Summe von 2,3 Mio. Euro. Die Republik Österreich hat bereits 150.000 Euro gezahlt, weil die AGES zu langsam reagiert habe. Offen sind u.a. noch Klagen gegen Prolactal und die beiden ehemaligen Geschäftsführer des Unternehmen sowie gegen die Stadt Wien als Träger des Krankenhauses Hietzing. Dort sei zum einen zu spät die richtige Diagnose gestellt und zweitens eine Rückenmarkprobe weggeworfen worden. Mit dieser könnte man heute leichter beweisen, ob der Listerienstamm des Patienten mit jenem im Quargel ident ist. Klauser: "Sollten wir den Prozess gegen Prolactal deshalb verlieren, mache ich das Krankenhaus Hietzing dafür verantwortlich."

AGES weist Kritik zurück

Lidl Deutschland hat den Vergleich mit dem Listerien-Opfer mittlerweile bestätigt, betonte aber, dass der betroffene Quargel nicht bei dem Diskonter gekauft worden sei. Die AGES wies die Aussage des Anwalts zurück, sie habe zu langsam reagiert: "Von Einlangen der ersten Proben bis zur erfolgreichen Identifikation der Quelle des Listerienausbruchs hat die AGES korrekt und pflichtgemäß gehandelt."

"Wir haben Verständnis für die persönlich schwierige Situation des Klägers und bedauern sein Schicksal außerordentlich", heißt es in einer Stellungnahme von Lidl Deutschland, deshalb auch der Vergleich. Das Unternehmen habe auch die von den deutschen Justizbehörden festgestellte Verantwortung übernommen - das Amtsgericht Heilbronn hatte wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht über das Unternehmen Geldstrafen von insgesamt 1,5 Millionen Euro verhängt. (APA, 12.6.2015)

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