Steirische Koalition: Die Partei ist nicht alles

Kommentar13. Juni 2015, 12:00
92 Postings

Die SPÖ hat kaum an Macht verloren

Die genauen Umstände, wie die SPÖ den Landeshauptmannsessel in der Steiermark verloren hat, sind noch nicht klar. Aber es war die Entscheidung des eigenwilligen Landeschefs Franz Voves, seinen Stellvertreter und Reformpartner Hermann Schützenhöfer zum Nachfolger zu küren. In den vergangenen fünf Jahren ist viel Vertrauen, ja sogar Freundschaft zwischen den beiden gewachsen.

Abseits aller Furcht vor Schwarz-Blau hat Voves offenbar erkannt, dass sein Reformwerk in den Händen des erfahrenen VP-Chefs am besten aufgehoben ist. Voves hat damit das Interesse seines Landes vor die Loyalität zu seiner Partei gestellt. Das sorgt für zwar Ärger bei den Genossen, außerhalb des Apparates gebührt ihm dafür aber Respekt.

Die SPÖ hat dadurch kaum an Macht verloren. Wer in einer Koalition von zwei fast gleich großen Parteien den Landeshauptmann stellt, ist eher eine symbolische Frage; die Steiermark wird jetzt nicht schwärzer als zuvor.

Es mag auch für den jungen neuen Parteichef Michael Schickhofer besser sein, wenn er fünf Jahre lang als Stellvertreter sein Profil schärft, als gleich in eine ungemütliche Teilzeitlösung als Landeshauptmann geworfen zu werden. Eine Politik, die nicht die Partei über alles stellt, ist genau das, was sich viele Wähler wünschen. Schade, dass es der SPÖ nicht gelingt, diese mutige Entscheidung als klugen, zukunftsweisenden Schritt zu kommunizieren. (Eric Frey, 13.6.2015)

Share if you care.