"Phree": Elektronischer Kugelschreiber soll Notizblock ablösen

22. Juni 2015, 09:07
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Erfasst Notizen für Handy und Tablet auf jeder Oberfläche und fungiert auch als Bluetooth-Headset

Smartphones, Tablets und andereGeräte mit Touchscreens sind praktisch und mittlerweile allgegenwärtig. Doch viele haben ein Problem: Wer schnell etwas notieren oder eine Skizze anfertigen möchte, stößt mitunter auf die Grenzen der Technologie. Das Zeichnen per Fingereingabe oder Eintippen von Text auf der Bildschirmtastatur gestaltet sich potenziell mühsam. Daher gehört für Leute, die viel geschäftlich unterwegs sind, oft auch ein Notizblock zum Inventar. Über einen Digitizer für Stiftsupport verfügen bislang nur einzelne, meist teurere Handys und Tablets.

Das israelische Start-up OTM Technologies will mit einem elektronischen Kugelschreiber das Chaos nun beenden. "Phree" heißt das Gadget, dass es erlauben soll, über nahezu jeder Oberfläche schnell Texte und Zeichnungen digital zu hinterlegen.

Viele Unterlagen

Äußerlich sieht Phree aus wie ein Textmarker, der allerdings eine schmale Spitze hat. Zusätzlich prangt ein kleines, monochromes OLED-Display auf dem Gerät. Der Stift verbindet sich per Bluetooth mit dem jeweiligen Mobilgerät und ist kompatible zu Programmen wie Office, OneNote, Googles Handschrifteingabe und vielen anderen, die derartige Eingabe erlauben.

Zum Schreiben und Zeichnen soll die eigene Hand dabei ebenso als Unterlage genutzt werden können, wie ein Holztisch oder Sofatextil. Als Basis für die Erfassung der Eingabe dient ein 3D-Laser-Interferometer. Dieses misst die Unterschiede zwischen einem auf die Oberfläche geworfenem Lichtstrahl und seiner Reflexion. Diese Daten werden mit dem Output eines Beschleunigungssensors ergänzt und in dreidimensionale Bewegungsinformation übersetzt, so die Erklärung der Funktionsweise.

foto: otm tech

2.000 DPI

Der Sensor operiert mit einer Wellenlänge von 850 nm und einer Auflösung von 2.000 DPI. Erste Tester sollen sich von der Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Angabe begeistert gezeigt haben. Die Verwendung ist auch als Mausersatz möglich, da die Spitze durch Druck auch als linke Maustaste fungiert und ein eigener Button als Ersatz für die rechte Taste integriert ist.

Der kleine Bildschirm ist touchempfindlich und informiert über neu eingegangene Nachrichten. Er dient auch als Anzeige für kurze Notizen, die sich auch ohne Handy anfertigen lassen. Am hinteren Ende von Phree ist ein Kopfhörer verbaut, auf der Vorderseite ein Mikrofon, womit auch ein Einsatz als Bluetooth-Headset möglich ist.

foto: otm tech

Offene Programmierschnitstelle

Die Anwendungsmöglichkeiten, so hofft man bei OTM, sollen von interessierten Entwicklern erweitert werden. Dazu arbeitet man an einer offenen Schniuttstelle, die Zugang zu dem Sensordaten und das Display ermöglicht. Potenzial für Phree vermutet man etwa als Steuergerät für Augmented Reality oder Virtual Reality, als Gamecontroller, TV-Fernbedienung oder für Biometrie-basierte Authentifizierungssysteme.

Kickstarter

Zur Finanzierung des letzten Entwicklungsabschnitts und der Massenproduktion hat das Unternehmen eine Crowdfundingkampagne bei Kickstarter ins Leben gerufen. Diese läuft bislang höchst erfolgreich. Angestrebt wurden zumindest 100.000 Dollar, mittlerweile, wenige Tage vor Ende der Kampagne, ist mehr als das Neunfache zusammen gekommen.

Für einen Phree-Stift müssen Interessenten 168 Dollar (etwa 150 Euro) investieren. Die Variante mit Case, das als Ständer für ein Smartphone fungieren kann, schlägt mit 219 Dollar (rund 195 Euro) zu Buche. Die Auslieferung der Geräte, so alles nach Plan läuft, soll im April 2016 beginnen. (gpi, 22.06.2015)

phree
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