Orange-Chef bemüht sich in Israel um Ausräumung des Boykottverdachts

12. Juni 2015, 08:41
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Stéphane Richard trifft israelische Regierungsvertreter

Nach dem Eklat um die Geschäftsbeziehungen des französischen Telekom-Konzerns Orange zu Israel ist Firmenchef Stéphane Richard am Donnerstag zu Gesprächen mit der Regierung in Israel eingetroffen. "Ich bin hierher gekommen, um deutlich zu machen, dass wir sehr glücklich sind, in Israel zu sein", sagte Richard dem israelischen Sender i24. Der Orange-Chef will bei seinem Besuch den Verdacht ausräumen, sein Unternehmen unterstütze einen Boykott Israels.

Investitionen

Zwei Tage lang will Richard in Israel Gespräche mit Regierungsvertretern führen und seine lokalen Mitarbeiter treffen. "Wir sind glücklich hier zu sein und hier zu investieren", bekräftigte Richard bei einem Besuch einer Orange-Niederlassung. Am Freitag will er den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu und den früheren Präsidenten Shimon Peres treffen.

Der Besuch dient dazu, den Vorwurf zu entkräften, der Orange-Konzern, an dem der französische Staat mit 25 Prozent beteiligt ist, unterstütze aufgrund des Nahostkonflikts einen Boykott Israels. Schon im Vorfeld hatte Richard versichert, sein Unternehmen unterstütze "keine Form des Boykotts, weder in Israel noch anderswo auf der Welt". Er bedauere "aufrichtig" die "Kontroverse", die er ausgelöst habe, versicherte Richard in einer schriftlichen Stellungnahme auf AFP-Anfrage.

Vorgeschichte

Am Mittwoch der vergangenen Woche hatte Richard in Kairo öffentlich erklärt, sein Ziel sei es, den Lizenzvertrag zur Nutzung des Markennamens Orange durch die israelische Firma Partner "so bald wie möglich" zu beenden. Dies hatte heftige Proteste in Israel und eine Reaktion des französischen Außenministeriums ausgelöst, das bekräftigte, Frankreich lehne einen Boykott Israels entschieden ab.

Richard hob nun hervor, eine Beendigung des Lizenzvertrages für die Marke bedeute in keiner Weise, dass sich Orange komplett aus Israel zurückziehen wolle. Das Unternehmen bleibe dort in jedem Fall mit zwei Filialen vertreten. Den Wunsch des Orange-Chefs, sich gegenüber Israels Botschafter in Paris zu entschuldigen lehnte die israelische Regierung ab und lud ihn stattdessen nach Israel ein.

Kampagnen

Hintergrund der Empörung in Israel über Orange sind Kampagnen zum Boykott Israels, die in Nordamerika, Westeuropa und Südafrika vermehrt an Einfluss gewinnen. Die sogenannte BDS-Kampagne will den wirtschaftlichen und politischen Druck auf die israelische Regierung verstärken, die 1967 begonnene Besetzung der Palästinensergebiete zu beenden. Zugleich verteidigt diese Kampagne aber nicht klar das Existenzrecht Israels in den Grenzen von 1949.

Orange überlässt Partner gegen eine Gebühr Namen und Logo. Dieser Vertrag gilt noch bis 2025. Partner tritt auch im besetzten Westjordanland und im völkerrechtswidrig annektierten Ostjerusalem mit Namen und Logo von Orange auf. (APA, 12.6.2015)

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