Unter den Dächern von Nizza

Kolumne14. Juni 2015, 17:00
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Ein Parkhaus in Südfrankreich wird seinem Arbeitsauftrag nicht gerecht

Dieses Parkhaus in Nizza, bei dem sich schon bei der Einfahrt Paradoxes offenbarte, wurde seinem Arbeitsauftrag zweifelsfrei nicht gerecht: Zuerst eine Ticket-Apparatur, die alleinig durch ein müdes Flackern der Anzeigetafel funktionelle Präsenz simulierte. Daneben der Schranken, eine autonom vom Apparat agierende Gerätschaft. Ging auf, zu, auf, zu - aber keine Chance, reinzukommen.

Resultat: totaler Stillstand - auch für die bald schon tobenden Parkwilligen hinter mir. Das ausländische Kennzeichen fachte deren Temperament offenbar nur an, Beschützerinstinkt, Hilfsbereitschaft? Fehlanzeige. Erst nach einer Blechschlangenbildung bis raus auf die Straße bummelte endlich ein Garagenangestellter herbei. Gemütlich kurbelte der den Schranken hoch, wortlos, und verschwand wieder, ebenfalls wortlos.

Maßvorlage Renault Clio

Die am Schranken geweckte Erwartungshaltung erfüllte sich dann auch innen. Maßvorlage für diese Konstruktion, von den Säulen bis zur Parkplatzgröße, war vermutlich der Renault Clio gewesen; da macht Fahren Spaß, glauben Sie mir. Die Betonpfeiler glichen Baumstämmen, bei denen bereits der Verwesungsprozess eingesetzt hatte. Und bezüglich Bodenmarkierungen: welche Markierungen? Ich schätze, da wurde einmal ein Rohbau spontan umgewidmet.

Vor diesem Hintergrund sieht man die Situation in heimischen Garagen gleich viel entspannter. Natürlich, auch hier wird für so manchen Ausstieg Körperfertigkeit verlangt, die von der Natur so nicht einkalkuliert sein mag. Ist ja nicht jeder ein Schlangenmensch. Immerhin: Befahrbar sind sie wenigstens, unsere Garagen. Meistens. (Stephan-Alexander Krenn, 14.6.2015)

  • Eine Parkgarage, deren Maßvorlage vermutlich der Renault Clio war.
    foto: cremer

    Eine Parkgarage, deren Maßvorlage vermutlich der Renault Clio war.

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