"Moovs": Gadget trainiert Spieler mit Stromschlägen

12. Juni 2015, 09:31
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Die Methode soll Gehirnareale für Bildanalyse und Gedächtnis stimulieren, ist aber wissenschaftlich umstritten

Leidenschaftliche Gamer, insbesondere die Profis unter ihnen, investieren mitunter viel Geld in die beste Ausstattung für ihre Passion. Angepasste Keyboards, extrem schnell reagierende Bildschirme, hochauflösende Gaming-Mäuse oder präzise Surround-Kopfhörer. Wer sich auf spielerisch hohem Niveau in die Schlacht gegen andere begibt, ist meist auch technisch sehr gut ausgerüstet.

Doch die beste Elektronik hilft wenig, wenn man am Ende doch einen Tick zu spät auf eine Feindbewegung reagiert oder das Fadenkreuz um einen Pixel neben das Ziel platziert. Eine eigenwillige Trainingshilfe verspricht das Londoner Unternehmen Focus in Form eines Elektrostimulationsgerätes für 99 Dollar. Es soll mit leichten Stromstößen zu besserer Leistung verhelfen.

tDCS

Transkraniale direkte Elektrostimulation (tDCS) heißt das Prinzip. Das Produkt namens "Moovs" besteht aus zwei Pads, die der Spieler seitlich an seiner Stirn anbringt. Dort liefert es Stimulation von 0,1 bis zwei Milliampere. Mittlerweile ist es in der zweiten Generation erschienen.

Durch seine Platzierung sollen jene Areale im Hirn angeregt werden, die für Bildanalyse und das Arbeitsgedächtnis zuständig sind. Focus-Gründer Michael Oxley erklärt, dass positive Auswirkungen oft bereits ab der ersten Anwendung zu beobachten sind, sofern die Pads korrekt angebracht sind.

Wissenschaftlich umstritten

Die Idee, dass auf solchem Wege die Leistung des Gehirns verbessert werden können, ist allerdings umstritten. Bisherige Forschungsergebnisse variieren, wie "Venturebeat" schreibt. Die US Air Force gibt an, per tDCS die Trainingszeit von Piloten halbiert zu haben und sie sollen bei Gedächtnisspielen messbare Verbesserungen des Erinnerungsvermögens von Probanden bewirkt haben.

Es gibt allerdings auch Studien, die der Methode jeglichen Effekt absprechen oder sie gar als potenzielle Gesundheitsgefahr sehen. Zehntausende hätten mittlerweile aber ohne Probleme die Produkte seiner Firma genutzt, so Oxley.

Warnhinweise

Die US-Behörde FCC hat Moovs für den Consumer-Markt zugelassen. Allerdings geben die Macher selbst Empfehlungen zur Verwendung. So sollte man die maximale Stromstärke von zwei Milliampere nicht überschreiten und das Gerät auch nicht länger als 40 Minuten täglich einsetzen. Wer unter Gehirnläsionen, Epilepsie, schweren Herzerkrankungen oder ähnlichen Problemen leidet, sollte von der Nutzung gänzlich absehen. (gpi, 12.6.2015)

  • Die von Moovs angewandte tDSC-Methode ist wissenschaftlich umstritten.
    foto: focus

    Die von Moovs angewandte tDSC-Methode ist wissenschaftlich umstritten.

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