Umweltgifte stören Hormonhaushalt von Fischen in Hochgebirgsseen

11. Juni 2015, 13:43
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Hormonell aktive Umweltgifte gelangen aus Troposphäre auch in entlegene Gewässer

Innsbruck - Die Fische in Europas Hochgebirgsseen "verweiblichen". Zu diesem Schluss kommen Zoologen aus Tirol und Spanien. Hormonell aktive Umweltgifte, die aus der untersten Schicht der Erdatmosphäre (Troposphäre) in diese entlegenen Ökosysteme gelangen, stören den Hormonhaushalt von Männchen empfindlich, wie das Forscherteam in der Fachzeitschrift "Nature Scientific" Reports berichtete.

"Wir haben festgestellt, dass sogar in den abgelegensten Hochgebirgsseen in der Hohen Tatra sowie den Pyrenäen Fische einer dauerhaften Belastung an Umweltchemikalien ausgesetzt sind," so der Zoologe Reinhard Lackner von der Universität Innsbruck. "Diese hormonwirksamen Umweltchemikalien wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Junge männliche Forellen reagieren besonders auf das Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) sehr rasch mit einsetzender Feminisierung."

Hormonelle Abläufe gestört

HCB und andere schwer abbaubare Chemikalien gelangten als schwerflüchtige Substanzen aus der Luft in Hochgebirgsseen. Wenn männliche Fische solche hormonaktiven Stoffe mit ihrer Nahrung aufnehmen, wirkten diese als endokrine Disruptoren. Die normalen, hormongesteuerten Abläufe im Körper würden gestört, "die männlichen Fische schlucken unfreiwillig die Antibabypille," erklärte Lackner. Weibliche Fische hielten laut dem Forscher dagegen von Natur aus höhere Östrogenkonzentrationen aus.

Ernste Warnung

Zwar seien aufgrund des bisher detektierten Grades der Verweiblichung die Populationen in ihrem Fortbestand in den untersuchten Seen in Spanien, Polen und der Slowakei nicht gefährdet. Auch der Verzehr solcher Fische gelte nach derzeitigem Wissensstand noch als unbedenklich. "Aber insgesamt ist das eine ernste Warnung", so der Forscher.

Die vielfältigen Wirkungen von Östrogen auf den Organismus seien dabei nur ein Aspekt. Organische Chlorverbindungen würden im allgemeinen als krebserregend, fruchtschädigend und neurotoxisch gelten. Viele ihrer Wirkungen auf Mensch und Tier seien aber weitgehend unerforscht, so der Zoologe. (APA, red, 11.6.2015)


Abstract
Scientific Reports: "Background fish feminization effects in European remote sites"

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