Fifa-Mediendirektor De Gregorio tritt ab

11. Juni 2015, 20:05
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EU-Parlament überrascht Blatter und fordert die sofortige Ablöse, Abgeordnete prangern "zügellose Korruption" in der Fifa an

Zürich/Straßburg – Mediendirektor Walter De Gregorio verlässt den Fußball-Weltverband. De Gregorio gebe "ab sofort sein Amt als Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit ab", hieß es in einer Fifa-Mitteilung. Bis zum Ende des Jahres stehe er aber noch als Berater zur Verfügung. De Gregorio hatte den Posten im September 2011 übernommen. Sein Stellvertreter Nicolas Maingot tritt interimistisch die Nachfolge an.

Unterdessen hat das EU-Parlament hat den Fußball-Weltverband aufgefordert, als Konsequenz aus dem Korruptionsskandal seinen Präsidenten Joseph Blatter "umgehend" abzulösen. Es müsse "auf transparente Weise" ein Übergangspräsident ausgewählt werden, verlangte das Parlament am Donnerstag in einer Entschließung. Der Text wurde von allen sieben Fraktionen eingereicht und mit großer Mehrheit verabschiedet.

EU-Parlament: "Zügellose Korruption bei Fifa"

Der Abschied Blatters von der Fifa-Spitze geht den Europaabgeordneten nicht schnell genug. Die Ernennung einer neuen Führung könne bis zu neun Monate dauern. Bis dahin könnten die "dringend notwendigen Reformen nicht ernsthaft beginnen", hieß es. Das würde die Glaubwürdigkeit der Fifa weiter beschädigen. Die Korruption innerhalb des Weltverbands sei "zügellos, systembedingt und tief verwurzelt", erklärte das Parlament.

Die Fifa zeigte sich "total überrascht" von der Forderung. Blatter schließt seinen sofortigen Rücktritt weiter aus. Aufgrund der speziellen Umstände, in der sich die FIFA befindet, werde er sein Mandat erst auf einem Wahlkongress niederlegen. Er sei darauf fokussiert, sicherzustellen, dass "unumgängliche Reformen durchgesetzt werden und ein neuer Präsident gewählt wird".

Wahl des Nachfolgers für Dezember geplant

Blatter war trotz des Skandals am 29. Mai für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden, hatte aber vier Tage später seinen Rücktritt angekündigt. Bis zur Wahl seines Nachfolgers will der 79-jährige Schweizer jedoch die Amtsgeschäfte weiterführen. Der Nachfolger soll zwischen Dezember und Februar gewählt werden. Das gab die FIFA am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Bei einer Sitzung des Exekutivkomitees am 20. Juli in Zürich soll der Termin für die Wahl festgelegt werden.

Die Fußball-Weltverband wird derzeit vom größten Korruptionsskandal seiner Geschichte erschüttert. Sieben führende Funktionäre wurden vor zwei Wochen in Zürich auf Ersuchen der US-Justiz festgenommen. Die US-Behörden ermitteln gegen 14 zum Teil ranghohe Funktionäre, denen organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen werden. Sie sollen seit Anfang der 1990er-Jahre von Vermarktern Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar (133 Millionen Euro) für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben. (APA, red, 11.6.2015)

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