Nahrungsmittelallergien: Was dürfen Kinder essen?

11. Juni 2015, 11:55
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Laut einer Studie können Erdnüsse in der Säuglingsnahrung zu einer Reduzierung von Erdnussallergien führen. – Das gilt aber nicht für alle Kinder

Noch bis vor wenigen Jahren galt besonders für Säuglinge und Kinder mit einem erhöhten familiären Allergierisiko die Empfehlung, hochallergene Nahrungsmittel wie Hühnerei, Erdnuss oder Baumnüsse zur Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien zu meiden. Diese Vorsichtsmaßnahme könnte aber möglicherweise eher zu einer Zunahme der Allergien führen: Laut einer Studie aus England kann die frühe Gewöhnung an Erdnüssen – zwischen dem vollendeten 4. und 11. Lebensmonat – zu einer deutlichen Reduzierung der Häufigkeit von Erdnussallergien beitragen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der kindliche Magen-Darm-Trakt im ersten Lebensjahr durch eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Nahrungsmitteln eine Toleranz statt einer allergischen Immunantwort entwickeln könnte.

Laut Lars Lange, von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), ist jedoch zurzeit noch gänzlich ungeklärt, "welche Nahrungsmittel früh und regelmäßig gegeben werden sollten. Darüber hinaus bestehe bei Gabe zum Beispiel von Erdnüssen oder anderen Nüssen bei kleinen Kindern die Gefahr der Aspiration, was zu lebensbedrohlichen Erstickungsereignissen führen könne".

"Sinnvolle Zubereitungen hoch allergener Nahrungsmittel als Alternative stehen für dieses Alter kaum zur Verfügung", ergänzt der Experte.

Keine Verallgemeinerung zulässig

Im Rahmen der Studie wurden nur Kinder untersucht, die unter einer ausgeprägten Neurodermitis litten, also Kinder mit einem bekannt erhöhten Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. "Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf gesunde Kinder übertragen", meint Lange.

Darüber hinaus zeigte sich, dass ein beträchtlicher Teil der an Neurodermitis erkrankten Kinder (etwa 10 Prozent) bereits vor dem ersten Kontakt mit Erdnüssen allergisch waren und auf die erste Gabe mit Allergiesymptomen reagierten.

Studie abgebrochen

Noch deutlicher war das Risiko allergischer Reaktionen in einer zuvor veröffentlichten Studie aus Australien, bei der ebenfalls das Prinzip der frühen Verabreichung, allerdings mit Hühnerei getestet wurde. Hierbei erhielten Kinder mit Neurodermitis bereits im Alter von 4 Monaten Hühnerei.

Ziel der der Untersuchung war, eine Hühnereiallergie, die in Australien besonders häufig ist, zu verhindern. Diese Studie wurde von den Initiatoren vorzeitig abgebrochen, weil zu viele Kinder bereits beim ersten Kontakt mit Hühnereiweiß zum Teil schwere allergische Symptome zeigten.

Keine seriösen Ernährungsempfehlungen

Die notwendige Konsequenz vor der frühen Einführung bestimmter Nahrungsmittel wäre Lars Lange zufolge, alle Kindern mit Neurodermitis vorsorglich vor dem ersten Kontakt einem Allergietest zu unterziehen und bei den Allergietest-positiven Kindern orale Nahrungsmittelprovokationen durchzuführen.

Derzeit laufen weltweit weitere Studien zur frühen Beikosteinführung von bisher vermiedenen Nahrungsmitteln. "Bis zum Vorliegen der Studienergebnisse sind seriöse Empfehlungen hinsichtlich der Einführung potentiell allergener Nahrungsmittel nicht möglich", heißt es von Seiten der GPA.

Wenn Kinder aber einen Kontakt mit Nüssen oder Erdnuss zum Beispiel in Form von Brotaufstrichen bereits problemlos vertragen, sollten diese Nahrungsmittel regelmäßig verabreicht werden, um dem Körper die Möglichkeit zur Toleranzentwicklung zu erhalten, so der Experte. (red, 11.6.2015)

  • Im Rahmen der Studie wurden nur Kinder untersucht, die unter einer ausgeprägten Neurodermitis litten, also Kinder mit einem bekannt erhöhten Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. "Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf gesunde Kinder übertragen", sagt Allergologe Lars Lange.
    foto: ap/brad farris

    Im Rahmen der Studie wurden nur Kinder untersucht, die unter einer ausgeprägten Neurodermitis litten, also Kinder mit einem bekannt erhöhten Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. "Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf gesunde Kinder übertragen", sagt Allergologe Lars Lange.

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