Iran-Atomgespräche in Wien fortgesetzt

11. Juni 2015, 10:56
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Frankreichs Außenminister Fabius: "Wir wollen einen Deal, aber er muss nachvollziehbar, solide und robust sein" – Cyberattacke auf Hotels in Wien vermutet

Wien – In Wien werden am heutigen Donnerstag die Atomgespräche zwischen dem Iran und dem Westen fortgesetzt. Die technischen Experten und die politischen Direktoren der Streitparteien wollen weiter am endgültigen Vertragstext arbeiten. Hauptstreitpunkte sind die Inspektionen der iranischen Anlagen und die Modalitäten und der Zeitplan für die Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen Teheran. Die Gesprächsrunden im Wiener Palais Coburg führen der iranische Chefverhandler Abbas Araqchi und die politische Direktorin der EU, Helga Schmid.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte am Donnerstag, dass man noch nicht am Endpunkt der Verhandlungen sei. "Wir müssen die Anlagen überprüfen. Wir haben noch keine Sicherheit", sagte der Spitzendiplomat dem TV-Sender BFM.

"Wir wollen einen Deal, aber der Deal muss nachvollziehbar, solide und robust sein. Noch sind wir nicht am Ende der Verhandlungen", so Fabius. Ein Konsens, der diese Punkte nicht beinhalte, könne nicht implementiert werden, ergänzte er.

Iran auch auf der Agenda des IAEA-Gouverneursrats

Parallel zu den Atomgesprächen tagt in Wien derzeit auch der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Auch bei dieser Konferenz steht der Atomkonflikt mit Teheran im Mittelpunkt. Die Behörde ist dafür zuständig, einen allfälligen endgültigen Deal zu implementieren und die Kontrollen der iranischen Anlagen zu koordinieren.

Die IAEA fordert diesbezüglich einen freien Zugang zu den iranischen Anlagen. Hinsichtlich der militärischen Anlagen hat aber Teheran bereits klargestellt, dass deren Inspektion nicht verhandelbar sei.

Der Iran und die 5+1-Gruppe hatten sich am 2. April in Lausanne auf einen politischen Rahmen-Deal geeinigt und wollen nun bis zur selbst erlegten Deadline am 30. Juni den 13 Jahre andauernden Konflikt rund um die umstrittene iranische Uran-Anreicherung endgültig beilegen.

Atomgespräche ausspioniert

Indes sollen die Atomgespräche mit Hilfe eines Computervirus ausspioniert worden sein. Das berichtet die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky nach Angaben des "Wall Street Journal" von Mittwoch. Man habe einen sehr komplexen Virus im eigenen System entdeckt und dessen Aktivität nachverfolgt.

Israel hat eine Verwicklung in den mutmaßlichen Cyberangriff zurückgewiesen. "Die ausländischen Berichte über eine israelische Beteiligung entbehren jeder Grundlage", sagte Vize-Außenministerin Zipi Hotoveli am Donnerstag. (APA, 11.6.2015)

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