Österreichs Bevölkerung wuchs im Vorjahr um 77.000 Menschen

11. Juni 2015, 13:01
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Leichter Geburtenüberschuss und hohes Plus im Wanderungssaldo führten zu neuem Höchststand

Wien – Die Zahl der am 1. Jänner 2015 in Österreich lebenden Menschen ist gegenüber dem Vorjahr um 77.140 oder 0,91 Prozent auf 8.584.926 gestiegen. Verantwortlich dafür sind eine erstmals seit 2011 wieder positive Geburtenbilanz – 81.722 Geborene bei 78.252 Verstorbenen –, vor allem aber die Zuwanderung aus dem Ausland: 170.115 Zuzügen standen 97.791 Wegzüge gegenüber. Das geht aus den endgültigen Jahresergebnissen hervor, die die Statistik Austria am Donnerstag bekanntgab.

2013 war die Einwohnerzahl noch um lediglich 55.926 oder 0,66 Prozent gewachsen. Hingegen stieg auch im ersten Quartal 2015 die Bevölkerung noch stark weiter an: Bis 1. April erreichte sie nach vorläufigen Ergebnissen die bisherige Rekordmarke von 8.602.112 Menschen.

Starke regionale Unterschiede

Der Wachstumsschub zeigt regional deutliche Unterschiede. In den schon bisher dicht besiedelten Gebieten von den inneralpinen Tälern Westösterreichs über Salzburg und entlang der Westbahnstrecke bis Wien sowie zwischen Graz und der Bundeshauptstadt lag der Zuwachs zum Teil über einem Prozent. In den peripheren Regionen des nördlichen und südlichen Niederösterreich, zwischen Osttirol, Oberkärnten und der Obersteiermark hingegen sank die Bevölkerungszahl sogar.

Innsbruck und Linz wuchsen stärker als Wien

Das am stärksten gewachsene Bundesland ist Wien (plus 1,73 Prozent) vor Tirol (plus 0,94 Prozent), dahinter rangieren Vorarlberg (plus 0,88 Prozent), Oberösterreich (plus 0,83 Prozent), Salzburg (plus 0,81 Prozent), Niederösterreich (plus 0,69 Prozent) und die Steiermark (plus 0,52 Prozent). Die relativ niedrigsten Zuwächse verzeichneten das Burgenland (plus 0,33 Prozent) und Kärnten (plus 0,32 Prozent).

Vor allem die größeren Städte wuchsen weiter, neben Wien lag der Anstieg auch in Innsbruck (plus 1,92 Prozent) und Linz (plus 1,86 Prozent) bei rund dem doppelten Wert des restlichen Österreich. Auch Graz (plus 1,56 Pozent), Eisenstadt (plus 1,33 Prozent), Klagenfurt (plus 1,28 Prozent), Salzburg (plus 1,22 Prozent Prozent) und Sankt Pölten (plus 1,15 Prozent) lagen über dem Bundesschnitt. Darüber hinaus verzeichneten vor allem die Umlandbezirke der Landeshauptstädte hohe Bevölkerungsgewinne.

Negativer Wanderungssaldo bei Österreichern

An den Zuwächsen durch den Wanderungssaldo waren vor allem die ausländischen Staatsbürger verantwortlich. Von den Österreichern verließen 5.419 mehr Menschen das Land, als wieder zurückkamen. Der Saldo der nichtösterreichischen Staatsangehörigen war dagegen positiv und belief sich im Vorjahr auf 77.743 Personen.

62 Prozent des 2014 erzielten Wanderungsplus bei Nichtösterreichern entfielen auf EU-Bürger. Die Rumänen waren mit etwa einem Viertel davon (plus 12.710 Personen) die größte Gruppe, dahinter folgen Ungarn (plus 7.798 Personen), Deutsche (plus 5.562 Personen), Kroaten (plus 4.022 Personen) und Polen (plus 3.494 Personen).

Das Wanderungssaldo bei Nicht-EU-Bürgern setzt sich vor allem aus Syrern (plus 7.129 Personen), Afghanen (plus 2.709 Personen), Bosniern (plus 3.494 Personen), Serben (plus 2.543 Personen) und Kosovaren (plus 1.375 Personen) zusammen.

Deutsche größte Ausländergruppe

Insgesamt lebten am 1. Jänner 1.146.078 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich, das ist ein Anteil von rund 13,3 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

241.231 Personen waren Bürger der 14 "alten" EU-Staaten, also der vor 2004 beigetretenen Mitglieder. Von diesen Personen waren mehr als 70 Prozent Deutsche, damit bilden die Bürger des nordwestlichen Nachbarn die größte Ausländergruppe in Österreich. Weitere 329.067 Personen stammten aus einem der 13 seit 2004 der EU beigetretenen Länder, dabei handelt es sich vorrangig um Rumänen, Kroaten, Ungarn und Polen. 8.865 Personen waren Angehörige sonstiger EWR-Staaten, der Schweiz oder mit EU-Staaten assoziierter Kleinstaaten, die übrigen 566.915 Personen waren Drittstaatsangehörige.

Rund 35 Prozent des Wanderungssaldos entfiel 2014 auf Wien (plus 25.669 Personen), ebenfalls bei internationalen Zuwanderern beliebte Ziele waren Oberösterreich (plus 12.314 Personen), Niederösterreich (+10.214) und die Steiermark (+7.549 Personen)

1.403 Mitglieder eines elitären Klubs

Trotz der Zuwanderung wird Österreich stetig älter. Weil die Zahl der unter 20-Jährigen (minus 2.017 Personen) sank, während gleichzeitig jene der 20- bis 64-Jährigen (plus 51.887 Personen) und der über 64-Jährigen (plus 51.887 Personen) stieg, erhöhte sich das Durchschnittsalter auf 42,3 Jahre. Das sind 0,1 Jahre mehr als 2013 und sogar zwei Jahre mehr als noch vor zehn Jahren.

1.403 Menschen (242 Männer und 1.161 Frauen) mit Wohnsitz in Österreich waren zu Jahresbeginn mindestens 100 Jahre alt – 32 Personen mehr als 2013 waren im Vorjahr Mitglied dieses elitären Klubs. (Michael Matzenberger, 11.6.2015)

  • Vor allem Zuwanderer sorgten für einen Bevölkerungszuwachs in Österreich. Ihr beliebtestes Ziel ist nach wie vor Wien – im Bild der Brunnenmarkt im Bezirk Ottakring.
    foto: heribert corn

    Vor allem Zuwanderer sorgten für einen Bevölkerungszuwachs in Österreich. Ihr beliebtestes Ziel ist nach wie vor Wien – im Bild der Brunnenmarkt im Bezirk Ottakring.

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