Salzburger Ex-FPÖ-Klubobmann Schnell: "Strache dreht durch"

11. Juni 2015, 14:04
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Geschasster Salzburger FPÖ-Klubobmann will seine Familie nicht in den Dreck ziehen lassen

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sei möglicherweise größenwahnsinnig geworden: Das sagte der abgesetzte Salzburger FPÖ-Klubobmann Karl Schnell nach seinem Ausschluss aus der FPÖ dem ORF (derStandard.at berichtete). "Er täuscht letztendlich alle. Die Leute werden sich fragen: Was ist das für ein Mensch?", wurde Schnell zitiert.

Er lasse von Strache, FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl und anderen auch nicht seine Familie "in den Dreck ziehen", so Schnell. Die FPÖ in Salzburg sei bisher keine Verherrlichungspartei für ihn gewesen. Strache könne offenbar nicht erreichen, dass er auch so geschätzt wird. "Jetzt ist er eifersüchtig, dreht durch und muss Leute, die ihm Konkurrenz machen, offensichtlich aus der Partei entfernen." Strache hatte Schnell "undemokratisches, hinterfotziges Verhalten" vorgeworfen.

In einer FPÖ-Aussendung vom Donnerstag ließ Kickl Schnell wissen, dass "kein Mensch seine Familie in den Dreck gezogen" habe. "Das politische Denken von Karl Schnell ist ganz offenbar von Gerüchten und Verschwörungstheorien statt vom nüchternen Blick auf Tatsachen bestimmt. Er zimmert sich seine eigene Welt zusammen und behauptet Dinge, die kein Tatsachensubstrat haben, um sich zum Opfer zu machen," hieß es weiter.

Ausschlüsse werden am Dienstag abgesegnet

Der Bundesparteivorstand der FPÖ tritt am Dienstag zusammen. Dabei sollen unter anderem die am Mittwoch ausgesprochenen Parteiausschlüsse von Schnell und dem Salzburger Landesparteichef Rupert Doppler formal beschlossen werden. Die Salzburger FPÖ führt aktuell Andreas Schöppl.

Laut Kickl geht es in der Sitzung nicht nur um die Parteiausschlüsse, sondern auch um die Situation nach den Landtagswahlen im Burgenland, wo die FPÖ nun mitregiert, und in der Steiermark, wo die Freiheitlichen neuerlich in Opposition sind. Auch die bevorstehenden Wahlen in Oberösterreich und Wien werden diskutiert.

Obmannwahl in Salzburg

Der Bezirksparteitag der FPÖ Stadt Salzburg samt Obmann-Wahl am Donnerstagabend dürfte wohl ohne Retourkutsche des designierten Landesparteiobmanns Andreas Schöppl ablaufen. Der hätte zwar allen Grund dazu, zählte Obmann-Kandidat Andreas Reindl (46) doch zu jenen "Putschisten", die Schöppl Mitte Jänner als Klubchef der Stadt-FPÖ handstreichartig abgesetzt haben. Das Amt hat seitdem Reindl inne.

Doch Schöppl zeigte sich am Donnerstag im APA-Gespräch versöhnlich. "Ich bin kein nachtragender Mensch. Natürlich gibt es offene Gräben, aber ich werde der Entscheidung der Delegierten am Abend nicht vorgreifen." Die Stadt sei nur ein Bezirk unter anderen, wichtiger sei es, zunächst alle Bezirksparteitage und dann den Landesparteitag abzuhalten. "Ich möchte das sehr rasch und schnell erledigen und sicher nicht bis in den Herbst warten." Gehe es nach ihm, werde der Landesparteitag bis Ende Juli stattfinden.

"Es geht darum, die FPÖ neu auf ordentliche Beine zu stellen und neu zu strukturieren. Und ich möchte die Partei stärker übergeben, als ich sie übernommen habe." Er schloss dabei nicht aus, die Geschicke der Landespartei über den Landesparteitag hinaus zu führen, machte aber erneut klar, kein Mandat in der Stadt oder im Land übernehmen zu wollen. "Da nehme ich mich aus dem Rennen."

Auch Obmann-Kandidat Andreas Reindl sieht der Wahl am Donnerstagabend relativ entspannt entgegen. "Wir werden uns zusammen setzen und die Gräben, die entstanden sind, zuschütten", sagte er am Donnerstag zur APA. "Schöppl hat gesagt, die Türen sind offen, ich gehe davon aus, dass das bestens funktionieren wird." Ob er heute Gegenkandidaten haben wird, könne er nicht sagen. (APA, 11.6.2015)

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