Dorotheum erzielt Rekorde für zeitgenössische Kunst

11. Juni 2015, 13:00
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Hohe Werte für italienische Avantgarde der 1960er Jahre. Weltrekordpreis für Gemälde von Max Weiler aus der Sammlung der Erste Group

Im Bereich zeitgenössischer Kunst setzt das Dorotheum den Höhenflug jetzt fort, wo das Geschäftsjahr 2014 endete – mit Spitzenwerten, die auch international nicht unbemerkt bleiben. Denn die "Zeitgenössischen Meister" haben den "Alten" in Wien mittlerweile den Rang abgelaufen. Bis inklusive 2013 hielten Werke Alte Meister im Vergleich zu anderen Sparten innert einer Saison den höchsten Umsatzanteil. An der zweiten Stelle rangierte zeitgenössische Kunst, die sich etwa im Zuge der beiden mit Qualitätsvollerem bestückten Auktionswochen-Sitzungen mit durchschnittlich sechs (bis 2010) oder zehn (2012) Millionen Euro zu Buche schlugen.

2014 brachte die Kehrtwende: Über einen deutlich aufgestockten Umfang und eine stärkere internationale Ausrichtung, hatte dieses Segment in den vier (statt zwei) Auktionswochen-Sales knapp 24 Millionen Euro abgeworfen. Die aktuelle Saison könnte diesen historischen Höchstwert in der Geschichte des Unternehmens und des hiesigen Marktplatzes noch übertreffen. Denn am Mittwochabend (10. Juni) summierten sich die Besitzerwechsel auf 10,5 Millionen Euro und verzeichnete man mit 78 Prozent die bislang höchste Verkaufsquote dieser Sparte. Zusammen mit dem am Donnerstagnachmittag (11. Juni) erzielten Erlös beläuft sich der Gesamtumsatz auf 14,14 Millionen Euro und übertraf damit den Spartenhöchstwert vom November des Vorjahres (13,95 Mio. Euro).

Krönung für Max Weiler

Gemessen an monetären Kriterien entpuppten sich insbesondere Werke der italienischen Avantgardisten der 1960er Jahre als Bestseller und dominieren mit sieben Platzierungen das Ranking der zehn höchsten Zuschläge des Abends. Bemerkenswert etwa das Resultat für Fausto Melottis filigrane Messingfigur "Linee" (1961), das mit 369.000 Euro (Kaufpreis inkl. Aufgeld, exkl. Folgerecht) alle bisherigen Werte für ein plastische Arbeit dieser Werkperiode übertraf. An die Spitze setzte sich erwartungsgemäß Enrico Castellanis "Superficie" (1960) für das sich ein hartnäckiger Telefonbieter deutlich über der angesetzten Taxe (450.000-650.000) bei 965.000 Euro durchsetzte.

Aus österreichischer Perspektive sollte ein anderer Zuschlag die Herzen der Patrioten höher schlagen lassen. Eines Künstlerweltrekords für Max Weiler wegen, dessen Kunstwerke laut Artprice zu 94 Prozent hierzulande versteigert werden. Das aus vier je 180 mal 180 cm großen Teilen bestehende Gemälde "Welt des Wachstums" (1987) ließ mit 393.400 Euro den bisherigen Höchstwert für eine Arbeit des Künstlers (225.000 Euro, "Dämonen", 1969; April 2013 Im Kinsky) weit hinter sich.

Das via Sensal von einem anonymen Sammlern ersteigerte Museumsformat zierte ehemals ebenso die Sammlung der einstigen Girozentrale (vormals "GiroCredit", 1997 Fusion Erste Band) wie "Maremma 13-1995" von Markus Prachensky (45.000 Euro) und "Psalm 69" von Ernst Fuchs (93.750 Euro). Das Trio gelangte, wie STANDARD-Recherchen ergaben im Auftrag der Erste Group zur Versteigerung und spielte deutlich mehr ein, als im Vorfeld erwartet: 431.000 Euro Meistbotsumme, wovon Käufergebühr und Fotokosten (Katalog) in Abzug gelangen und der Erste einen "Reingewinn" von rund 324.000 Euro bescherten. Der Betrag, erklärt Konzernsprecher Michael Mauritz auf Anfrage, fließt in das Anschaffungsbudget für die "Kontakt"-Sammlung der Erste Group. (Olga Kronsteiner, 11.6.2015)

  • Max Weiler (Hall,Tirol, 1910-2001 Wien)  "Welt des Wachstums", erzielter Preis: 393.400 Euro.
    foto: dorotheum

    Max Weiler (Hall,Tirol, 1910-2001 Wien) "Welt des Wachstums", erzielter Preis: 393.400 Euro.

  • Enrico Castellani (1930 geb.)  "Superficie", 1960 reliefierte Leinwand, 100 x 120 cm erzielter Preis: 965.000 Euro.
    foto: dorotheum

    Enrico Castellani (1930 geb.) "Superficie", 1960 reliefierte Leinwand, 100 x 120 cm erzielter Preis: 965.000 Euro.

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