Salzburger Freiheitliche: Die Rappelköpfe der FPÖ

Kommentar10. Juni 2015, 18:42
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Der erfolgreiche Sauhaufen wurde nun ausgemistet

Ja, so stellen sich viele einen richtigen Parteichef vor: Wenn es in einem Bundesland nicht so läuft, wie es den höchsten Parteikadern passt, dann hat der Parteiführer auszurücken, die unbotmäßigen Provinzler zurechtzustutzen und ihre Anführer aus der Partei rauszuschmeißen. So vorgeschlagen von den Jusos, um die burgenländischen Roten vom blauen Kurs zurückzuholen - aber eben nicht gemacht in Werner Faymanns SPÖ.

Wohl gemacht von den Blauen; nicht im Burgenland, sondern in Salzburg. In der dortigen Landespartei hatte es einen üblen Gärungsprozess gegeben - und Heinz-Christian Strache ist ausgerückt, um reinen Tisch zu machen.

Um die Hintergründe zu verstehen, muss man weit zurückgehen in der Geschichte - am besten mehr als 280 Jahre: Da hat der Salzburger Erzbischof renitent am Protestantismus festhaltende Familien des Landes verwiesen. Einige Kryptoprotestanten sind im Land verblieben - Familien, die voll des Grolls auf Obrigkeit und Kirche waren. Es waren Rappelköpfe, die sich in späteren Jahrhunderten von Deutschnationalen, Nazis, VdU und schließlich der FPÖ gut vertreten gefühlt haben. Das erklärt ein wenig die Stärke dieser Bewegungen in Salzburg.

Und es erklärt auch, warum sich die Salzburger Freiheitlichen immer eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Gesamtpartei (auch sie wurde und wird als eine Art "Obrigkeit" empfunden) bewahrt haben - und warum schon zu Zeiten Jörg Haiders die Truppe um Karl Schnell schwer auf Linie zu bringen war. Schon Haider hat Schnell gedemütigt, hat ihn abgesetzt - und dann doch akzeptieren müssen, dass Schnell im Salzburger Land ein höchst erfolgreicher Wahlkämpfer war. Schnell und sein Umfeld haben eben die Rappelköpfe um sich geschart. Und wie es deren Art nun einmal ist, haben diese Rappelköpfe auch munter miteinander gemauschelt, aufeinander geschimpft, gegeneinander intrigiert. Vielfach waren politische Inhalte nur vorgeschoben, gelegentlich ging es überhaupt nur um persönliche Befindlichkeiten, persönliche Verdächtigungen, persönliche Vorteile. Aus Wiener Perspektive, formuliert von Generalsekretär Herbert Kickl: ein "Sauhaufen".

Aber eben ein allem Streit zum Trotz bei den Wählern erfolgreicher Sauhaufen: 17 Prozent bei der Landtagswahl, 21 Prozent bei der Nationalratswahl. Nun wurde er ausgemistet. Applaus für Strache aus den anderen Ländern - wie es sich für eine autoritär geführte Kaderpartei gehört. (Conrad Seidl, 10.6.2015)

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