Gerhard Schmid: Ein Lehrer soll Ruhe in die SPÖ bringen

Kopf des Tages10. Juni 2015, 18:05
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Der Wiener wird neuer Bundesgeschäftsführer der SPÖ

Ein Mann der ersten Reihe war Gerhard Schmid bisher nicht. Der 55-Jährige, der Norbert Darabos als SPÖ-Bundesgeschäftsführer nachfolgt, gehört zwar bereits seit 2007 zu den engsten Mitarbeitern von Werner Faymann - zuerst im Kabinett des Verkehrsministeriums, seit Ende 2008 im Kanzleramt -, öffentlich in Erscheinung getreten ist er aber kaum.

Seine eigenen politischen Ambitionen beschränkten sich bisher auf die kommunale Ebene. Schmid ist Bezirksparteivorsitzender der SPÖ im 13. Wiener Gemeindebezirk - einem klassisch schwarzen Bezirk. Dort startete er auch seine politische Laufbahn. Von 1976 bis 1982 war er Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Hietzing.

Rapid-Fan

Beruflich schlug der bekennende Rapid-Fan die Bildungslaufbahn ein. Nach dem Lehramtsstudium und einem Doktoratsstudium der Politikwissenschaft war er zwischen 1981 und 1997 Berufsschullehrer in Wien. Später war Schmid, der Wandern, Kochen, lange Spaziergänge, Lesen und Musik als Hobbys angibt, drei Jahre lang Vizedirektor einer Wiener Berufsschule. Zwischen 2000 und 2007 war er Abteilungsleiter und Direktor am Pädagogischen Institut des Bundes in Wien, für kurze Zeit auch Professor - bis schließlich Faymanns Ruf kam.

Ein persönliches Anliegen ist Schmid der antifaschistische Widerstand. Er zählt zu den Initiatoren des "Festes der Freude", bei dem alljährlich am 8. Mai auf dem Wiener Heldenplatz der Befreiung Österreichs vom NS-Regime gedacht wird. Stark eingebunden war er auch in die Errichtung eines Deserteursdenkmals auf dem Ballhausplatz.

Detailverliebt

Schmid wird von Wegbegleitern als guter Rhetoriker, Arbeitstier, konziliant, aber auch detailverliebt beschrieben. In der Wiener SPÖ, auf deren Einbindung Faymann besonders Wert legt, ist er bestens vernetzt. Schmid hätte nach der Wahl im Oktober auch ein Mandat im künftigen Gemeinderat bekommen sollen. Seine ausgleichende Art wird er angesichts der unterschiedlichen Auffassungen in der Partei, wie man mit dem umstrittenen Thema Rot-Blau umgehen soll, gut gebrauchen können.

Durchsetzungsstärke wird dem Kuratoriumsmitglied der Wiener Symphoniker allerdings nicht von allen zugesprochen. Bedingungslose Loyalität gegenüber dem Kanzler und Parteichef hingehen sehr wohl. Als Vorbild gibt Schmid auf seiner Homepage Bruno Kreisky an. Sein Lieblingsfilm: "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk". (Günther Oswald, 10.6.2015)

  • Der Wiener Gerhard Schmid wird neuer SPÖ-Bundesgeschäftsführer.
    foto: apa/schartel

    Der Wiener Gerhard Schmid wird neuer SPÖ-Bundesgeschäftsführer.

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