Gerüchte um Rückzug von Siegfried Wolf aus Deripaska-Konzern

11. Juni 2015, 05:30
48 Postings

Der Spitzenjob des österreichischen Managers im Moskauer Konzern Russian Machines des Oligarchen Oleg Deripaska soll wackeln. Wolf dementiert das

Wien – Die Tage des Österreichers Siegfried Wolf im Management des Konzerns des russischen Oligarchen Oleg Deripaska könnten gezählt sein. Wie der STANDARD erfahren hat, soll Wolfs Tätigkeit als Chef des Board of Directors bei Russian Machines nicht mehr verlängert werden.

Russian Machines ist die 2011 gegründete Moskauer Holding eines Mischkonzerns mit rund 60.000 Mitarbeitern. Eingebracht wurden auch Teile von Deripaskas Basic-Element-Gruppe. Die Töchter der Industrieholding sind in Maschinenbau, Eisenbahn-, Luftfahrt- und Automobilindustrie tätig. Besonders für letztere wurde Wolf an Bord geholt; er war ja bis Mitte November 2010 für Frank Stronachs Automobilzulieferer Magna tätig: Vor seiner Übersiedlung zu Russian Machines war er Magna-International-Chef.

Harte Arbeit nötig

Dem Vernehmen nach soll sich das Verhältnis zwischen ihm und Deripaska, der ebenfalls im Board of Directors sitzt und Aufsichtsratschef von Basic Element ist, abgekühlt haben. Die angespannte Lage der russischen Wirtschaft erfordere hartes, operatives Engagement der Manager, heißt es. Wolf sei aber eher ein Mann für Expansionszeiten, dessen größtes Atout sein ebenso ausgedehntes wie dichtes Kontaktnetz sei.

Wolf selbst sagt, das Gerücht über seinen Auszug aus dem Board of Directors (ein Gremium, das Leitungs- und Kontrollaufgaben ausübt) sei "kompletter Blödsinn". Er sei von den Eigentümern, zu denen er mit zehn Prozent auch selbst gehört, in das Gremium berufen worden, mit dem Auftrag, innerhalb von fünf Jahren ein funktionierendes Team aufzubauen. Dass ihm das gelungen ist, konzedieren ihm auch Kritiker.

Nominierung ungewiss

Wolf zur Frage seines etwaigen Abgangs: "Ich weiß noch nicht, ob ich in der Hauptversammlung im Mai 2016 wieder ins Board of Directors nominiert werde - oder mich noch einmal nominieren lasse." Das hänge auch davon ab, wie sich die Lage in Russland entwickle. Sein Verhältnis zu Deripaska nennt er "sehr korrekt und freundschaftlich".

In Österreich war Wolf bis vor kurzem Präsident der Staatsholding ÖIAG. Seinen Aufsichtsratssitz in der Baugesellschaft Strabag wird er in der Hauptversammlung diesen Freitag verlieren. In der österreichischen Sberbank leitet Wolf das Kontrollgremium. (gra, 12.6.2015)

Share if you care.