"Orange Is the New Black": Zurück im Haus der Freude

11. Juni 2015, 08:00
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Zeit der Reife im Frauengefängnis von Litchfield: Die dritte Staffel der Serie startet auf Netflix

Muttertag im Frauengefängnis: Männer und Kinder stehen draußen Schlange. „Willkommen im Haus der Freude“, ruft der Wärter. Es klingt nicht fröhlich. Im Inneren geht es zu wie beim Kindergeburtstag: Pappminigolf, Kartonburgen, Luftballone, Hundebabys.

foto: netflix

Doch da gibt es auch andere Seiten: Zwischen den Windelhosen des süßen Babys sind kleine weiße Pillen versteckt. Nicht alle Kinder schauen glücklich drein mit ihren Müttern, die sie kaum noch kennen. Einer hat Probleme in der Schule, der andere mag gar nicht mehr kommen. Am Rande beobachten Häftlinge das Geschehen: „Ich bin mit Mamas durch.“ – „Vielleicht mag ich meine lieber, wenn sie tot ist.“

Unaufgeregte Insassinnen

Zeit der Reife im Frauengefängnis von Litchfield. In der dritten Staffel von Orange Is The New Black (ab Freitag online) hat sich vieles eingespielt.

Der Rückzugsort für heimliche Intimbegegnungen wird regelmäßig aufgesucht, die Platzhirsche in den Kojen sind gnädiger geworden, selbst Piper Chapman, ehemals grundaufgeregte Insassin mit bildungsbürgerlichem Hintergrund, wirkt abgeklärt.

„Leichter, strahlender“, sei diese neue Staffel , sagt Piper-Darstellerin Taylor Schilling beim Interviewtag in Berlin. „Aufregend turbulent“, sagt Laura Prepon, die als Pipers Ex erneut einsitzen muss. Das ganze Spektrum der beliebten Gefängnisfamilie eben.

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Orange Is The New Black ist neben House of Cards das wichtigste Exportprodukt aus dem Hause Netflix. Die Webserie folgt seit 2013 der Autobiografie Piper Kermans, einer jungen Frau aus bester Familie, die nach einem Drogendelikt ein Jahr in einem US-Gefängnis absitzen musste. Die Drehbuchidee stammt von Jenji Kohan (Weeds).

Liebe, Intrige, Rache, Eifersucht

Das Buch ist grobe Vorlage zur Serie. Während Kerman sich um dokumentarischen Stil bemüht und zeigt, dass Gefängnisse keineswegs Besserungsanstalten sind, zieht die Serie das ganze dramaturgische Register: Liebe, Intrige, Rache, Eifersucht und gut getaktete Vergeltungsschläge. Kerman war damit einverstanden, sagt Schilling: „Ihr ist klar, dass die Serie vom Buch inspiriert ist.“

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„Die Figuren im Buch standen am Anfang der Serie“, sagt Uzo Aduba. Das Gefängnis diene als Vehikel für Beziehungen und Lebensgeschichten, wie sie vielfältiger nicht sein könnten. Aduba spielt „Crazy Eyes“, eine verhaltensauffällige Lesbe mit einem speziellen Blick, dem sie ihren Spitznamen verdankt. Eine „Crazy Eyes“ gab es auch bei Kerman, bestätigt Aduba. „Ja, doch, sie fühlte sich auch von Piper angezogen, und sie hatte wohl einen verlorenen Blick in ihren Augen“, sagt Uzo Aduba über ihr reales Vorbild.

Keine "Lesbenserie"

Die sexuellen Anziehungskräfte zwischen den Insassinnen spielen eine gewichtige Rolle. Schilling betont allerdings, Orange sei keine „Lesbenserie“: „Homosexualität ist nur ein kleiner Aspekt in dieser riesigen Konstellation.“

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Ein Schmelztiegel für Typen und Kulturen jeglicher sexueller Orientierung sei es vielmehr, stimmt Laverne Cox zu, die die transsexuelle Friseuse Sophia spielt. Auch im „wirklichen Leben“ ist Cox transsexuell, aber „nie, nie im Leben würde sie sich so schminken wie in der Serie.“

Denn hier gibt es ganz bestimmt keine Schönfärberei. Auf Schönschminke wurde in der dritten Staffel fast ganz verzichtet, sagt Prepon. „Sie trugen mir Tränensäcke und schwarze Ringe auf. Ich sah ziemlich hässlich aus. Es war großartig.“

Gesellschaftskritik im Dialog

Berühmt ist die Serie für ihre Form der Gesellschaftskritik mit durchaus lehrreichem Charakter. In Folge eins der dritten Staffel etwa gibt es ein weiteres dieser Kurzseminare, vorgetragen von „Big Boo“ (Lea Delaria) zum Thema Freakonomics, einem 2005 erschienen Buchs von Stephen J. Dubner und Levitt, das einen Zusammenhang zwischen Abtreibung und gesunnkener Verbrechensrate herstellt.

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"Oder auf deutsch: Du warst auf Meth, du warst White-Trash-Scheiße, und wären deine Kinder geboren worden, wären sie auch Methraucher und White-Trash-Scheiße gewesen.“ Schwangerschaftsabbruch ist also gut für die Sicherheit der Gesellschaft. Schlüssig argumentiert.

Am Ende des Muttertags liegen übrigens alle am Boden. Die süßesten Dinge sind eben nur von kurzer Dauer. Eine vierte Staffel ist fix. (Doris Priesching, 11.6.2015)

Serientrailer zu Staffel drei

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Reisekosten zu den Interviews in Berlin finanzierte Netflix mit.

Links:
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  • Taylor Schilling.
    foto: rich fury invasion ap

    Taylor Schilling.

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