Schimpansen-Lachen ist ähnlich variantenreich wie menschliches Gelächter

14. Juni 2015, 17:34
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Forscher sehen flexible Mimik als Merkmal einer vielseitigen Kommunikationspalette

Portsmouth - Grinsen, lauthals Lachen oder diskret Schmunzeln: Wenn Schimpansen etwas lustig finden, können sie dies ähnlich nuancenreich zeigen wie der Menschen. Britische Verhaltensforscher haben bei Menschaffen in Sambia je nach Situation stilles Grimassieren ebenso wie von lautstarken Äußerungen begleitetes Gelächter beobachtet. Auch die Muskeln im Gesicht bewegen sich wie die lachender Menschen, berichteten die Wissenschafter rund um Marina Davila-Ross von der Universität Portsmouth im Fachmagazin "PLoS One".

Die Fähigkeit, Mimik unabhängig von Lautäußerungen zu nutzen, gilt als eine Schlüsselkomponente menschlicher Kommunikation: Da Menschen über Gesichtsausdrücke verfügen, die bewusst mit Lauten wie einem Lachen kombiniert werden können, ist ihre Kommunikationspalette vielseitiger. Ob Menschenaffen dazu ebenfalls in der Lage sind oder das Verziehen der Gesichtszüge bei ihnen automatisch mit dem Lachen gekoppelt ist, war bisher unklar.

Das Forscherteam beobachtete nun über einen Zeitraum von drei Monaten vier Kolonien von Schimpansen in der sambischen Wildtierstation Chimfunshi. Davila-Ross beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Evolution des Lachens und leitete etwa eine Studie mit Menschenaffen, die gekitzelt wurden.

Gemeinsam mit Kollegen filmte sie 46 Affen im Alter von zwei bis 35 Jahren in Spielsituationen und wertete die Daten mit "ChimpFACS" aus. Dieses Verfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken bei Schimpansen basiert auf dem "Facial Action Coding System" (FACS) für Menschen. Die Affen zeigten demnach 14 Gesichtsausdrücke mit offenem Mund - egal, ob sie lauthals lachten oder stumm grimassierten. Die Wissenschafter schließen daraus, dass die Tiere ihre Mimik flexibel und unabhängig von einer Lautäußerung nutzen.

Lautes Lachen in sozialen Spielsituationen

Zudem beobachteten die Forscher situationsabhängige Unterschiede: Ein von Lauten begleitetes Lachen zeigten die Affen vor allem beim körperlichen Spiel mit Artgenossen sowie als spiegelnde Reaktion auf ein ebenfalls lachendes Gegenüber. Entsprechend gehen die britischen Forscher davon aus, dass lautes Lachen insbesondere in interaktiven sozialen Spielsituationen gezielt eingesetzt wird und hier eine kommunikative Funktion erfüllt. Eine Alternativerklärung sei allerdings, dass in derartigen Situationen die Erregung oder Freude der Schimpansen größer sei, was zu mehr Lauten führe, heißt es in der Studie.

Die Wissenschafter untersuchten außerdem die evolutionäre Beziehung zwischen den Gesichtsausdrücken mit offenem Mund beim Schimpansen und beim Menschen. Lachende Schimpansen zeigten drei Bewegungen ihrer Gesichtsmuskeln, die auch für Menschen typisch sind: das Hoch- und Zurückziehen der Mundwinkel, das Öffnen der Lippen und das Senken des Kinns. Einige Tiere zogen zusätzlich die Oberlippe hoch, so dass die Zähne sichtbar wurden - ein Gesichtsausdruck, der ebenfalls vom Menschen bekannt ist.

Insgesamt, so die Forscher, sei das lachende Gesicht des Menschen wahrscheinlich aus dem Minenspiel mit offenem Mund eines Affen-Vorfahren entstanden. Je umfassender soziale Kommunikation wurde, umso mehr habe sich das primitive Lachen in Form und Funktion verändert. "Das Lachen muss nach dem gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Schimpansen eine immer wichtigere Rolle in sozialen Interaktionen bekommen haben - es löste sich von Spielsituationen und wurde zu einem grundlegenden Instrument der Sprache und der emotionalen Intelligenz beim Menschen." (APA, red, 14.6.2015)

  • Es kommt nicht von ungefähr, dass Schimpansen- Heiterkeit so menschlich erscheint.
    foto: ap photo/david j. phillip

    Es kommt nicht von ungefähr, dass Schimpansen- Heiterkeit so menschlich erscheint.

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