Geschätzte Gäste in Prinz Eugens Privatgemächern

11. Juni 2015, 13:12
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"Geist und Glanz der Dresdner Gemäldegalerie" erfüllt derzeit das Winterpalais des Prinzen von Savoyen in der Himmelpfortgasse: Der Besuch von "Rembrandt - Tizian - Bellotto" sowie einigen Meisterwerken mehr ist dem Umbau des Zwingers zu verdanken

Wien - Schon Christian Morgenstern wusste: "Besuche machen immer Freude - wenn nicht beim Kommen, so doch beim Gehen." Die 99 Gäste aus Dresden, die derzeit im Winterpalais des Prinzen Eugen beherbergt werden, sind allerdings die schöne Ausnahme, bei der sich nicht nur Belvedere-Chefin Agnes Husslein wünschte, sie könnten noch länger bleiben.

Rembrandt - Tizian - Bellotto. Geist und Glanz der Dresdner Gemäldegalerie nennt sich diese leider irgendwann endende Exkursion von Schätzen der Malerei aus dem 16., insbesondere aber aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Und tatsächlich fügt sich die Auswahl meisterlicher Werke - darunter etwa Antonio Canalettos (Bellottos Onkel) großformatige Venedig-Veduten, Claude Lorrains Flucht nach Ägypten oder die prächtigen (Blumen-)Stillleben der Flamen Cornelis de Heem und Daniel Seghers - famos in die Wohnräume des berühmten Feldherrn ein.

Schmuserei mit Seidentapeten

Diese Stimmigkeit rührt auch daher, dass die Kollektion des Prinzen von Savoyen (leider nach seinem Tod von der Nichte Victoria nach Turin verschleudert) zeitgleich zu der des kunstsinnigen Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen (1670-1733) aufgebaut wurde. Und so hat es sicher einige Parallelitäten gegeben: Beider Vorliebe galt etwa den Werken Anthonis van Dycks; von ihm ist in Wien nun ein herrlich lebendiger Eremit Hieronymus zu sehen.

Nichts gegen die im Winterpalais schon vorgeführten reiz- und kontrastvollen Koketterien von barockem Ensemble mit Gegenwartskunst, aber der Dialog des Üppigen, beispielsweise von einem - zugegeben etwas schwülstig geratenen - Genius des Ruhmes (1588/89) von Annibale Caracci vor edlen, blauen Seidentapeten, hat etwas von einer wohligen Schmuserei.

foto: eva würdinger, © belvedere, wien

"Die Werke fühlen sich hier zu Hause", antwortet die Dresdner Kuratorin Maike Hohn auf die Komplimente der Gastfreundschaft: Tatsächlich sei diese letzte Station der Ausstellung die schönste. Anregend war aber sicher auch 2014 die Präsentation im neutralen White Cube der Kunsthalle München oder später im Groninger Museum, wo man im postmodernen Haus barocke Architekturen quasi virtuell, über Projektionen, vergegenwärtigte.

Zwinger wird generalsaniert

Alltäglich ist es allerdings nicht, dass so ein großer Teil einer Kollektion auf Reise geht. Zu verdanken ist es der Generalsanierung des von Semper errichteten Zwingers seit 2013, den eine Mauer dafür bis zur "Wiedervereinigung" 2018 zweiteilt. Statt der üblichen rund 700 Bilder ist nun nur Platz für 400. Überdies arrangierte man einmal anders: nicht nach geografischen Regionen, wie es kunsthistorisch Tradition ist, sondern man gruppiert etwa carravageske Strömungen oder Porträts der italienischen Renaissance.

Einmalig ist der Ausflug der Dresdner Kunst, die so schließlich auch als Botschafter wirksam wird, nicht: Splendeurs de la cour de Saxe hieß 2006 jene für Furor sorgende Schau im Musée Versaille, führte sie den Franzosen doch vor Augen, wie die Revolution die königlichen Schätze in alle Winde zerstreut hat. Eine Schau, die dem Umbau des Grünen Gewölbes geschuldet war und sogar in New York Station machte.

Sammelwut der Kurfürsten

Freilich, Raffaels Sixtinische Madonna oder die Venus von Giorgione blieben in Dresden. Ebenso Correggios von magischem Licht illuminierte Heilige Nacht; dafür ist Carlo Marattas innige, der Lichtregie des älteren Meisters nacheifernde Variation zu sehen.

Die Sammlung, die Augusts sammelwütiger Sohn Friedrich August II. 1745/46 in Turin mit einem Schlag um 100 Gemälde erweiterte und die Goethe schier die Worte raubte ("Meine Verwunderung überstieg jeden Begriff!"), wird würdig vertreten. Intensiv sind etwa die Blicke von Tizians anmutig-eleganter Dame in Weiß: Um deren Identität ranken sich bis heute Rätsel, die der Maler mit dem Bekenntnis, sie sei das für ihn "teuerste Wesen auf der Welt", nährte. Nicht minder bannen allerdings die Augen von den Bildnissen daneben: einem Christusritter von Velázquez und einem Knaben von Agostino Caracci.

"Die schönste in der Welt", schwärmte Johann Joachim Winckelmann, Kunstschriftsteller der frühen Aufklärung, über die Dresdner Galerie: Einigen von ihm in der Beschreibung der vorzüglichsten Gemälde erwähnten Bildern ist ein eigener Saal gewidmet - seiner Zeit entsprechend dicht und mehrreihig gehängt. Insgesamt: ein Genuss. (Anne Katrin Feßler, 11.6.2015)

  • Richtig zwider schaut der von Zeus entführte Ganymed (1635): Bei Rembrandt macht sich der verängstigte Königssohn sogar nass.

    Richtig zwider schaut der von Zeus entführte Ganymed (1635): Bei Rembrandt macht sich der verängstigte Königssohn sogar nass.

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