Millionen deutsche Briefe bleiben liegen

10. Juni 2015, 17:13
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In Deutschland weitet die Gewerkschaft Verdi ihren Streik bei der Post aus. Auch der Lufthansa drohen neue Streiks

Der Griff in den Briefkasten gleicht in Deutschland zurzeit ein bisschen der Teilnahme an einer Lotterie. Manches kommt an, anderes nicht. Und in den nächsten Tagen wird die Lage für Kunden der Post nicht besser werden. Denn die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Mittwoch einen Gang höher geschaltet.

An dem am Montag bundesweit und unbefristet ausgerufenen Streik beteiligten sich weitere 6500 Personen. Damit waren rund 14.500 Beschäftigte im Ausstand. Gestreikt wurde nicht nur in den 83 Verteilerzentren, auch die Zusteller von Briefen und Paketen legten die Arbeit nieder.

Der Streit dreht sich um neue Tarifverträge für 140.000 Mitarbeiter im DAX-Konzern Deutsche Post. Das Management des deutschen Marktführers will in 49 neuen Gesellschaften namens "Delivery" tausende unbefristete Stellen schaffen. In diesen sollen allerdings niedrigere Löhne (rund 13 Euro/Stunde) gezahlt werden, als im restlichen Konzern (rund 18 Euro/Stunde). Die Post orientiert sich dabei an den Tarifverträgen der Logistikbranche in Deutschland, diese liegen deutlich unter denen der Post. Dagegen wehrt sich die Gewerkschaft mit Streiks.

Am Mittwoch erklärte ein Sprecher des gelben Riesen, man habe die Lage derzeit dennoch gut im Griff: "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Auswirkungen für unsere Kunden aufgrund unserer Ausgleichsmaßnahmen weiterhin gering halten. Etwa 88 Prozent der Briefe und 93 Prozent der Pakete kämen pünktlich an." Die Post transportiert täglich rund 65 Millionen Sendungen.

Flugbegleiter vor Streik

Auch der AUA-Mutter Lufthansa drohen wieder Streiks. Diesmal sind es nicht die Piloten, die die Maschinen am Boden halten wollen, sondern die Flugbegleiter. Deren Gewerkschaft (Ufo) hat die Schlichtungsgespräche mit dem Unternehmen nach sechs Runden für gescheitert erklärt. Damit könnte es im reisestarken Sommer zu Streiks kommen.

Ruhiger ist hingegen bei den Lokführern und der Bahn. Die beiden Kontrahenten befinden sich in Schlichtungsgesprächen, die noch bis zum 17. Juni andauern. Auch die kommunalen Arbeitgeber und die Angestellten der Kindergärten schlichten gerade. Es wird nicht gestreikt, Kinder werden wieder beaufsichtigt.

Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer ist dennoch mit den vielen Ausständen nicht einverstanden: "Deutschland wird plötzlich als Streikland wahrgenommen", sagt er und wirft der Gewerkschaft in ehemaligen Staatsbetrieben vor, nicht an schnellen Lösungen interessiert zu sein. (Birgit Baumann, 11.6.2015)

  • Viele Sendungen der Deutschen Post bleiben liegen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wehrt sich mit Streiks gegen Ausgliederung tausender Mitarbeiter in schlechter bezahlte Gesellschaften.
    foto: imago stock&people

    Viele Sendungen der Deutschen Post bleiben liegen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wehrt sich mit Streiks gegen Ausgliederung tausender Mitarbeiter in schlechter bezahlte Gesellschaften.

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