Fracking mit Ökoanstrich

10. Juni 2015, 16:48
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Chemiefreies Verfahren soll Geothermie auf die Sprünge helfen

Wien - Das Thema Fracking kostet Herbert Hofstätter ein mildes Lächeln. Die umstrittene Fördermethode, bei der Sand und mit Chemikalien versetztes Wasser in den Boden gepumpt wird, hat derzeit in Österreich keine Chance. Die ersten zarten Versuche, im Weinviertel Gas aus Ton- oder Schiefergestein zu lösen, hat die OMV wieder ad acta gelegt. Für einen wie Hofstätter, Professor an der Montan-Universität Leoben, ist das kaum vernünftig zu begründen: "Von der Technik hat man in den letzten 50 Jahren nicht einmal Notiz genommen", sagt der geborene Oberösterreicher. Mittlerweile ist das anders. Heftige Proteste sorgen dafür, dass das Thema in weiten Teilen Europas keines mehr ist.

Anders in der Wiener Hofburg, wo der 58-Jährige auf der dort stattfindenden Opec-Konferenz eine nachhaltige Fördermethode made in Austria vorstellt. Fracking hatte dort aus gutem Grund erhebliches Gewicht. Vor allem Ölförderfirmen in den USA ist es damit gelungen, der Opec und insbesondere Saudi-Arabien als deren wichtigstem Player Marktanteile abzuluchsen.

Europa ist anders

Umstritten ist die Sache mittlerweile auch in den USA. "Die eingesetzten Additive stammen aus einer Zeit, in der man mit der Umwelt relativ sorglos umgegangen ist", sagt Hofstätter. Ohnedies gäbe es erhebliche Unterschiede zwischen den USA und Europa. In den USA befänden sich fossile Brennstoffe im Besitz der Grundeigentümer, die im Zweifelsfall kaum Rücksicht nehmen müssten. Außerdem liegen die Schiefergasvorkommen meist in wenigen Hundert Metern Tiefe. Trinkwasserreserven könnten dadurch stärker gefährdet sein. In Europa müsse man hingegen tausende Meter tief bohren, um auf Schiefergas zu stoßen - und der Staat ist Eigentümer der Bodenschätze. Dementsprechend streng seien die Vorschriften. Hofstätter ist damit schon beim Punkt: Auch Fracking könne umweltverträglich sein. Darüber gestolpert ist er vor 17 Jahren - damals noch in der Ölindustrie tätig - eher zufällig. Kaliumkarbonat heißt der Stoff, aus dem die Expertenträume sind. Die Substanz sei etwa in der Pharmaindustrie als Träger für Pillen im Einsatz. Dass Kaliumkarbonat auch die richtigen Eigenschaften für die Bohrtechnologie habe, sei vorher einfach nicht bekannt gewesen, sagt Hofstätter. Mittlerweile ist das in der Bohrtechnik schon lange Standard. Als er an die Montan-Uni, den Ort seines Studiums, als Professor zurückkehrte, konnte er seine Idee auch im Labor ausprobieren und überprüfen, ob sich, was sich in der Bohrtechnik bewährte, ins Fracking übertragen ließ. "Mit ein bisschen Feintuning und der Neuzusammensetzung der Komponenten hat das funktioniert."

Günstigeres Verfahren

Der Stoff, der sich für die Technik als geeignet herausstellte, hatte einen großen Vorteil: Chemikalien in der Bohrspülung, die das Gesteinsmaterial verseucht hatten, konnten eingespart werden. Für Hofstätter ist das Vor- und Nachteil zugleich: "Das Verfahren ist wesentlich kostengünstiger. Die Serviceindustrie kann damit aber nur einen Bruchteil an Umsätzen machen, damit ist das Interesse beschränkt." Richtig traurig macht das Hofstätter nicht. Für das "Bio-Enhanced Energy-Recovery" hat die Uni Leoben Patent angemeldet und wäre bereit, Lizenzen zu vergeben. Interessenten aus dem Ausland gibt es laut Hofstätter.

Er selbst will mit dem Verfahren der Geothermie auf die Beine helfen. Die sei hierzulande eher stiefmütterlich behandelt, "weil es uns zu gut geht". Die technische Nutzung der Erdwärme, bei der auch tief gebohrt wird, könnte mit Fracking rentabler werden, sagt er. Johannes Wahlmüller von Global 2000 wird Fracking auch unter Einsatz milderer Chemie nicht sympathischer. "Chemikalien sind nur ein Aspekt, die dagegensprechen. Die Erschließung neuer fossiler Brennstoffe ist grundsätzlich der falsche Weg." Der Geothermie steht Wahlmüller aber positiv gegenüber. Ob Fracking dazu überhaupt notwendig sei, wolle man sich aber erst genauer anschauen. (Regina Bruckner, 10.6.2015)

  • Fracking-Proteste in Kalifornien.
    foto: reuters/nicholson

    Fracking-Proteste in Kalifornien.

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