Neues Modell macht Weltraumwetter besser vorhersagbar

16. Juni 2015, 07:30
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Forscher entwickeln Methode, mit dem sich Auswirkungen von Sonnenstürme auf die Erde prognostizieren lassen

London - Mit dem wachsenden Einsatz von satellitengestützten Technologien dürften in Zukunft auch die Auswirkungen schwerer Sonnenstürme auf die Erde zunehmen. Insbesondere Stromnetze und Navigationssysteme wie GPS oder das Galileo-Netzwerk Europas sind solchen Magnetstürmen ohne geeignete Gegenmaßnahmen schutzlos ausgeliefert. Im Extremfall könnte etwa die Fähigkeit der Elektronik von Flugzeugen, die Distanz zum Erdboden zu bestimmen, unter einem solaren Ausbruch leiden - mit den entsprechenden katastrophalen Folgen.

Bei einer zeitgerechten Vorhersage, wie schwer die Auswirkungen von erdzugewandten Sonnenstürmen sein werden, ließe sich vermutlich das Schlimmste verhindern. Doch bislang lag die Vorwarnzeit bei allenfalls 30 bis 60 Minuten. Nun aber haben britische Forscher um Neel Savani vom Imperial College London im Fachjournal "Space Weather" eine auf Magnetfeldmessungen basierende Methode vorgestellt, mit der sich koronale Massenauswürfe bis zu 24 Stunden vor ihrem Eintreffen prognostizieren lassen.

Magnetfeld-Ausrichtung ausschlaggebend

Wie dramatisch die Auswirkungen eines koronalen Massenauswurfs für terrestrische Systeme sind, hängt vor allem von der Orientierung der teilweise in sich verdrehten Magnetfelder innerhalb des Massenauswurfs ab. Trifft eines dieser Magnetfelder mit der entsprechenden Ausrichtung auf die irdische Magnetosphäre, dann kann eine Verbindung zwischen diesen beiden entstehen, die gleichsam ein Einfallstor für den solaren Teilchensturm öffnet und die Elektronik auf der Erde oder in Satelliten nachhaltig in Mitleidenschaft zieht.

Savani und seinem Team ist es gelungen, die Lage der Magnetwirbel innerhalb des Massenausstoßes lange vor dem Eintreffen bei der Erde zu bestimmen, indem sie genau analysieren, wo der Ausbruch seinen Ursprung auf der Sonnenoberfläche hat und welche Entwicklung die Wolke auf dem Weg zu unserem Planeten durchläuft. Die Forscher testeten ihr Modell an acht zurückliegenden Sonnenstürmen. Die Ergebnisse versprechen eine bedeutende Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten zukünftiger Extremereignisse im Weltraumwetter. (red, 16.6.2015)

  • Die Aufnahme vom 12. Juli 2012 zeigt einen enormen Sonnenausbruch der höchsten Kategorie X. Treffen die Magnetstürme in der Folge derartiger Eruptionen auf die Erde, kann dies schwerwiegende Auswirkungen auf irdische Stromnetze oder satellitengestützte Systeme haben.
    foto: reuters/nasa

    Die Aufnahme vom 12. Juli 2012 zeigt einen enormen Sonnenausbruch der höchsten Kategorie X. Treffen die Magnetstürme in der Folge derartiger Eruptionen auf die Erde, kann dies schwerwiegende Auswirkungen auf irdische Stromnetze oder satellitengestützte Systeme haben.

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