Klubchefin des Teams Stronach: Schwarze Abwerbeversuche

10. Juni 2015, 16:20
258 Postings

Fantastische Telefonate, reale Gerüchte – ÖVP: Alle willkommen, die Werte teilen

Wien – Seit sich ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka vergangene Woche vor das imposante Porträt Leopold Figls gesetzt hat und – links ein Neuer, rechts ein Neuer – versuchte, erklärende Worte für ebendiesen Neuzugang im schwarzen Team zu finden, will sich ein Gerücht nicht und nicht klein reden lassen: dass auf Marcus Franz und Georg Vetter weitere Team-Stronach-Mandatare folgen könnten.

Qualitätsproblem?

Für die Klubchefin des austrokanadischen Parteigründers hat dieses Gerücht eine ganz reale Grundlage: "Ich weiß, dass Lopatka intensivst meine Abgeordneten anruft und versucht, sie abzuwerben", erklärt Waltraud Dietrich dem STANDARD. Auch wenn sie versucht, die Avancen als Kompliment zu nehmen ("Vielleicht hat die ÖVP ein Qualitätsproblem"), missfällt ihr die Vorgehensweise auch charakterlich zutiefst. Schließlich gehe es auch um "die Verantwortung einem Team und den Wählern gegenüber". Bei ihr selbst – früher blaue Klubobfrau in der Steiermark – habe es die ÖVP jedenfalls nicht versucht.

Dass das Team Stronach seinen Klub einst auf die gleiche Art und Weise zusammengewürfelt hat, bezeichnet Dietrich heute als "nicht optimal". Gefragt, um welche ihrer Mandatare sie sich Sorgen mache, will sie keine Namen nennen, sie höre derzeit von verschiedenen Seiten Aussagen wie "Das ist wirklich schon intensiv, was der Lopatka da aufführt". Bei einem telefonischen Abwerbeversuch sei sie gar danebengestanden.

Im ÖVP-Klub tut man die Anfrage des STANDARD als "Gerücht" ab. Eines, dass man weder bestätigt, noch dementiert. Nur soviel: In der ÖVP sei "jeder willkommen", der sich zum Programm, den Zielen und Werten der Partei bekenne. Dass es weitere fähige Leute im TS geben könnte, wird nicht ausgeschlossen. Lopatka selbst sprach später von "Fantasien", die er den sommerlichen Temperaturen zuschrieb.

Wechselkandidaten

An der Gerüchtebörse für einen Wechsel gehandelt werden – neben anderen – die frühere Klubchefin Kathrin Nachbaur und der Abgeordnete Rouven Ertlschweiger. Für Nachbauer dementierte Kollege Robert Lugar am Mittwoch "aufs Entschiedenste", Auch Ertlschweiger, den man zunächst wegen einer neuen Telefonnummer nicht erreicht hat, bleibt, wird versichert. Leo Steinbichler, der für die ÖVP schon einmal im Bundesrat saß, sagt dem STANDARD: "Ein Leo Steinbichler ist nicht käuflich." Ob denn seine ehemaligen Kollegen gekauft worden sind? "Das weiß ich nicht".

Übrig bleiben: Christoph Hagen, für den der Gang zur ÖVP bereits die vierte politische Heimat nach der FPÖ, und dem BZÖ wäre. Jessi Lintl, einst schwarze Bezirksobfrau-Stellvertreterin unter Ursula Stenzl. Sowie Martina Schenk, einst FPÖ, dann BZÖ, jetzt Team Stronach. Ulla Weigerstorfer wird Frank Stronach wohl treu bleiben, sie wurde erst in der Vorwoche neue Chefin des Magna Racino. (riss, smo, 10.6,2015)

  • Nicht für alle lustig: ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka freut sich über Teamneuzugänge.
    foto: apa/hans klaus techt

    Nicht für alle lustig: ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka freut sich über Teamneuzugänge.

Share if you care.