Eierstock in Reserve: Erfolge der Reproduktionsmedizin

10. Juni 2015, 11:20
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Ein in der Kindheit entnommener Eierstock verhalf einer Frau in Belgien als Erwachsene zu einer Schwangerschaft

In der Kindheit entnommenes Eierstockgewebe hat einer Frau in Belgien etliche Jahre später zu einem Baby verholfen. Über den bisher einmaligen Fall berichten Mediziner im Fachmagazin "Human Reproduction". Das Verfahren, Frauen vorsorglich entnommenes Eierstockgewebe nach einer Chemotherapie wieder einzupflanzen, ist nicht neu. Ungewöhnlich ist aber die frühe Entnahme des Gewebes.

Die Patientin war als Kind an Sichelzellenanämie erkrankt, heißt es in dem Bericht. Im Alter von 13 Jahren und noch vor der ersten Regelblutung hatten Ärzte in Belgien ihr den rechten Eierstock entnommen und eingefroren, weil im Zusammenhang mit einer Knochenmarkstransplantation eine Chemotherapie nötig wurde. Dadurch können auch die Eierstöcke dauerhaft geschädigt werden. Die junge Patientin hatte von ihrem 15. Lebensjahr an eine ständige Hormonersatztherapie erhalten, um ihren Zyklus in Gang zu setzen.

Schwanger werden können

Im Alter von 25 Jahren wandte sich die wieder gesunde Frau an das Erasmus Hospital der Freien Universität Brüssel - mit Babywunsch. Die Reproduktionsmedizinerin Isabelle Demeestere und ihr Team stoppten daraufhin die Hormongabe und setzten der Frau Teile des lange zuvor entnommenen Eierstocks wieder ein: Vier Fragmente pflanzten sie direkt auf den verbliebenen Eierstock, elf weitere an andere Stellen im Körper. Die Eizellproduktion kam wieder in Gang, nach fünf Monaten setzte die Menstruation ein - und zwei Jahre später, im vergangenen November, kam ein auf natürlichem Weg gezeugter Bub zur Welt.

"Das ist ein wichtiger Durchbruch in diesem Bereich, denn Kinder sind die Patienten, die in Zukunft am meisten von dem Verfahren profitieren können", sagte Demeestere. Inwieweit auch Ovarialgewebe jüngerer Mädchen - und nicht wie in diesem Fall schon am Beginn der Pubertät - erfolgreich eingesetzt werden könne, sei allerdings noch unklar. (APA, 10.6.2015)

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