Steiermark glimpflich davongekommen, Aufräumarbeiten in Tirol

10. Juni 2015, 10:40
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Gewitter und Hagel sorgten kleinräumig für überflutete Keller und überflutete Straßen

Graz - Die Steiermark ist bei den Unwettern am Dienstagabend relativ glimpflich davongekommen, Schäden durch Hagel und überflutete Keller entstanden vor allem nördlich und südlich der Landeshauptstadt Graz, wie die Feuerwehren am Mittwoch mitteilten. Der weststeirische Bezirk Deutschlandsberg blieb größtenteils verschont, einige überflutete Straßen gab es in der Obersteiermark.

Die meisten Einsätze innerhalb kurzer Zeit galt es am Abend in der Gemeinde Gratwein-Straßengel aufgrund von Starkregen und Hagel zu absolvieren. Die Feuerwehren von Judendorf-Straßengel, Gratwein, Eisbach-Rein und St. Oswald bei Plankenwarth rückten mit 60 Mann und 15 Fahrzeugen zu rund 50 Schadstellen im Ortsgebiet aus. Zahlreiche Keller, Tiefgaragen und Eisenbahnunterführungen wurden überflutet und mussten ausgepumpt werden.

Unfall in Weststeiermark

Im Bezirk Deutschlandsberg wurden kleinräumige Überflutungen bzw. überschwemmte Keller in den Gemeinden Groß St. Florian und St. Martin gemeldet. Am weststeirischen Gaberl (Bezirk Voitsberg) stürzte ein Pkw während eines Gewittersturms von der Bundesstraße, knapp unterhalb der Passhöhe. Das Auto schlitterte rund 15 Meter den Abhang hinunter und kam seitlich auf der Fahrerseite zum Stillstand. Noch bevor die Feuerwehren Kleinlobming, Knittelfeld und Salla eintrafen, hatte ein anderer Verkehrsteilnehmer den Fahrer bereits aus dem Wagen befreit. Der Pkw wurde mit einer Seilwinde den Abhang hinaufgezogen und mittels Kran wieder auf die Straße gehoben.

In Mellach (Bezirk Graz-Umgebung) und in Schlossberg im Bezirk Leibnitz wurden zwei Frauen vorsichtshalber ins Krankenhaus eingeliefert, weil in ihrer Nähe Blitze eingeschlagen hatten. In Unterpremstätten, Lieboch, Zettling und Hitzendorf südlich und westlich von Graz waren durch den Sturm etliche Bäume umgestürzt und hatten Straßen blockiert.

Potenzial für Regengüsse bleibt

Die Aufräumarbeiten nach den Unwettern im Sellrain- und Paznauntal in Tirol sind am Mittwoch mit Hochdruck fortgesetzt worden. Nach wie vor waren rund 250 Soldaten des Bundesheeres im Einsatz. Zusätzlich waren Hunderte Feuerwehrleute, freiwillige Helfer und Mitarbeiter des Roten Kreuzes an den Hilfsmaßnahmen beteiligt. Die Wettersituation war günstig und sollte auch die kommenden Tage so bleiben.

Einem Heeressprecher zufolge verliefen die Arbeiten planmäßig. Die Kooperation mit den Einsatzkräften und der Bevölkerung vor Ort sei "vorbildlich". Derzeit würden keine zusätzlichen Kräfte benötigt. Falls dies aber der Fall sein sollte, könnten jederzeit weitere Männer beordert werden. Anfang nächster Woche sollen die derzeitigen Soldaten durch frische Kräfte ersetzt werden. "Wir werden jedenfalls vor Ort bleiben, solange wir benötigt werden", betonte der Heeressprecher gegenüber der APA. Die derzeit herrschende Wettersituation sei für die Arbeiten "optimal".

Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wird es die kommenden Tage in Tirol warm bis heiß, vorübergehend nimmt auch die Schauerneigung ab. Das Potenzial für heftige Niederschläge bleibe aber, insbesondere Montag und Dienstag prognostizierten die Meteorologen den Beginn von Schauern verbunden mit einem Temperaturrückgang. Die Regenmengen seien aber noch nicht abschätzbar.

Der Unterschied zu der Situation, die zu den Unwettern im Sellrain- und im Paznauntal geführt hatten, sei aber, dass keine punktuell niedergehenden Gewitterzellen absehbar seien, erklärte Josef Lang von der ZAMG: "Durch den aufkommenden, mäßig bis starken Föhn aus Süd-West werden die Gewitterzellen, die sich am Alpenhauptkamm bilden, rasch weiterziehen".

Schaden mit 30 Mio. beziffert

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte den Schaden am Dienstag nach einem Lokalaugenschein mit rund 30 Millionen Euro beziffert und den Betroffenen Unterstützung zugesagt. 50 Prozent des Privatschadens sollen aus Mitteln des Katastrophenfonds übernommen werden. Rund vier Millionen Euro der geplanten Beihilfe werde das Land Tirol als Soforthilfe ausbezahlen, hieß es.

Die Sellraintalstraße (L13), die teilweise unterspült bzw. weggerissen worden war, blieb zwischen Kematen und Sellrain in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Die Gemeinde Sellrain war laut Polizei vorerst nur über Ötz/Kühtai erreichbar. Die Sanierung der L13 werde mehrere Woche in Anspruch nehmen, hatte es geheißen.

Im Sellraintal (Bezirk Innsbruck-Land) richteten Dutzende Murenabgänge und Überschwemmungen in der Nacht auf Montag großen Sachschaden an. Die Melach erreichte im Sellrain in kürzester Zeit den Pegel eines 100-jährlichen Hochwassers. Etwa 30 Personen mussten evakuiert werden. Das Rote Kreuz richtete in Oberperfuss eine Versorgungsstelle ein. In der Gemeinde See im Paznauntal (Bezirk Landeck) traten Bäche in der Nacht über die Ufer. Der Ortsteil Gries wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Etwa 20 Häuser waren betroffen, rund 100 Menschen mussten evakuiert werden. (APA, 10.6.2015)

  • Luftaufnahme zeigen das zerstörten Gebiete nach den heftigen Unwettern im Paznaun.
    foto: apa/expa/johann groder

    Luftaufnahme zeigen das zerstörten Gebiete nach den heftigen Unwettern im Paznaun.

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