Ursachensuche: Sterblichkeit bei Jugendlichen

10. Juni 2015, 10:22
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Schweizer Neuropsychologen untersuchen die Gründe erhöhter Sterblichkeit bei Jugendlichen - soziale Ungleichheit spielt eine entscheidende Rolle

Soziale Ungleichheiten erklären zu einem großen Teil die höhere Sterblichkeit von jungen Erwachsenen im Vergleich zur Restbevölkerung. Mit einem psychischen "Unruhezustand" der Jugendlichen hat das größere Risiko laut einem Genfer Forscher nichts zu tun.

Seit mehr als einem Jahrhundert ist bekannt, dass Menschen beim Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter vorübergehend ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben. Das Phänomen wurde jedoch bis heute nie hinreichend definiert, gemessen oder erklärt, stellt der Nationale Forschungsschwerpunkt NFS LIVES in der Schweiz fest.

Laut Adrien Remund von der Universität Genf gibt es drei mögliche Erklärungen: Die psychologische Entwicklung bedingt einen "inneren Unruhezustand", das sozioökonomische Umfeld führt dazu, dass neue Rollen des Erwachsenenalters übernommen werden, oder eine kleine Gruppe von besonders gefährdeten Personen führt zu einer statistischen Verzerrung.

Leicht zu beeinflussen

In seiner Doktorarbeit an der Universität Genf im Rahmen des NFS LIVES konnte Remund nun die erste Hypothese, die sich nur auf die neuropsychologische Entwicklung stützt, verwerfen. Er wies nach, dass eine sehr kleine, gefährdete Bevölkerungsgruppe ausreicht, um die Sterblichkeitsrate anzuheben.

Im Gegensatz zur bisher vertretenen Ansicht vieler Demografen und Psychologen seien an der erhöhten Sterblichkeit nicht in erster Linie die in dieser Lebensphase verbreiteten gefährlichen Verhaltensweisen schuld. Schließt man die am stärksten gefährdeten Personen statistisch aus, verschwindet der Effekt der erhöhten Sterblichkeit.

Für seine Analyse verwendete Remund die Human Mortality Database, eine Mortalitätsstatistik von über 10.000 Bevölkerungsgruppen, die Datensätze aus vier Jahrhunderten und vier Kontinenten enthält.

Nicht nur Unfälle und Suizide

Sie zeigte auf, dass die erhöhte Sterblichkeit junger Erwachsener weder ein universelles Phänomen, noch auf Jugendliche beschränkt ist. Sie lasse sich auch nicht nur auf Unfälle und Suizide zurückführen. So wurde das Sterblichkeits-Phänomen vor dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich auf die Tuberkulose und die Müttersterblichkeit zurückgeführt.

Im schlimmsten Fall konnte das Risiko zwischen den am meisten gefährdeten und begünstigten Jugendlichen um einen Faktor 100 auseinander klaffen. Für den Forscher beweist dies: "Die erhöhte Sterblichkeit junger Erwachsener ist kein unabwendbares Schicksal". (APA, 10.6.2015)

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