Auf der Flucht – Fiktion und Wirklichkeit

Userartikel10. Juni 2015, 11:21
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Eines Tages hörst du im Radio, dass in Wien Schüsse gefallen sind. Regierungsgegner kämpfen vor dem Schloss Schönbrunn gegen das Militär ...

Stell dir vor, du lebst im Innviertel, bist etwas Politik-uninteressiert und verfolgst nicht das tägliche innenpolitische Geschehen. Eines Tages hörst du im Radio, dass in Wien Schüsse gefallen sind. Regierungsgegner kämpfen vor dem Schloss Schönbrunn gegen das Militär. Gebäude werden bombardiert und in die Luft gesprengt, Menschen werden getötet.

Es dauert nicht lange, bis auch in deiner Gemeinde die ersten Menschen gegeneinander kämpfen. Du wirst gefragt, zu welcher Seite eigentlich du gehörst. Dein Wohnhaus wird bombardiert, weil irgendjemand dort wohnt, der sich bereits für eine der beiden Seiten entschieden hat und die anderen ihm das übelgenommen haben. Bevor du überhaupt in den Trümmern nach Überlebenden deiner Familie oder ein paar Habseligkeiten suchen kannst, wird auch auf dich die Jagd eröffnet. Von beiden Seiten, weil du ja eigentlich gar nicht genau weißt, worum es überhaupt geht. Du bist auf der Flucht.

Du fliehst, ...

Du fliehst, weil Menschen dir nach deinem Leben trachten. Und du weißt nicht, wohin. Du verkaufst deine Uhr, ein Geschenk deiner Frau zur Hochzeit, um dein Leben einem Menschen anzuvertrauen, der dich in ein anderes Land schmuggeln kann, wo kein Krieg herrscht. Dein Handy behältst du, somit kannst du vielleicht von irgendwo ja doch noch Kontakt zur Heimat herstellen. Du schlägst dich durch in ein anderes Land, wo du jetzt eigentlich auch nicht willkommen bist.

... sie beschimpfen dich

Sie beschimpfen dich als Schmarotzer, der seine Heimat in Stich gelassen hat. Trotzdem würdest du dich dem Land gegenüber, in das du dich gerettet hast, gerne dankbar zeigen und arbeiten, aber das darfst du nicht, du bist nämlich "Asylant". Menschen finden, dass sogar die Zelte, in denen du jetzt schlafen kannst, viel zu großer Luxus für dich sind. Das hast du als Vaterlandsverräter nämlich nicht verdient!

Friedensprojekt Europa

Europa, das größte Friedensprojekt aller Zeiten, steht sicherlich vor neuen Herausforderungen. Österreich hat als reiches Land (zweithöchstes BIP der EU) gemeinsam mit Europa auch eine weltweite humanitäre Aufgabe. Eine Aufgabe, die Österreich in der Zweiten Republik übrigens schon oft erfüllt hat:

Seit 1945 sind mehr als zwei Millionen Flüchtlinge nach Österreich gekommen, fast 700.000 Menschen davon sind geblieben und heute österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. 1956 und 1957 während der Ungarn-Krise waren es 180.000 Menschen. Anfang der 90er waren es täglich fast 500 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Heute sind es übrigens etwa 200 Flüchtlinge pro Tag.

Die Hypo Alpe Adria hat die Österreicherinnen und Österreicher übrigens genauso viel gekostet wie alle Asylwerber von 1950 bis 2275 zusammen – verursacht wurde das Hypo-Desaster durch die Partei, die jetzt am lautesten gegen Zuwanderung hetzt. Mit diesem Geld hätte man Asylaufnahmezentren und die zugehörige Bürokratie für die nächsten 260 Jahre finanzieren können. (Fabian Grabner, 10.6.2015)

  • Der Streit um die Unterbringung von Flüchtlingen in den Ländern gipfelte im Mai – Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ließ Zelte für Flüchtlinge, wie hier in Linz, aufbauen.
    foto: apa/alexander schwarzl

    Der Streit um die Unterbringung von Flüchtlingen in den Ländern gipfelte im Mai – Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ließ Zelte für Flüchtlinge, wie hier in Linz, aufbauen.

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