Umfrage: Drei von vier deutschen Chefinnen am Arbeitsplatz benachteiligt

12. Juni 2015, 13:00
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Die Ergebnisse der Umfrage haben sich im Vergleich zu 2012 deutlich verschlechtert

Gut drei Viertel (75,9 Prozent) der weiblichen Führungskräfte in Deutschland sind aufgrund ihres Geschlechtes schon einmal am Arbeitsplatz diskriminiert worden. Die Zahl beschreibt der Berufsverband "Die Führungskräfte", der die Umfrage unter 120 Managerinnen durchführte, als "erschreckend hoch". Was genau unter Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verstanden wird, wurde in der Umfrage nicht definiert.

Der Anteil hat sich gegenüber den Umfrageergebnissen aus dem Jahr 2012 jedenfalls deutlich erhöht: Damals gaben 61,9 Prozent an, schon einmal am Arbeitsplatz diskriminiert worden zu sein.

"Oh Gott, wir brauchen die Quote"

Die Geschäftsführerin Heike Kroll findet deutliche Worte: "Früher war ich davon überzeugt, dass das Geschlecht für weitere Karriereschritte keine Rolle spielt. Eine Quote hielt ich schlicht für Blödsinn: Jeder, der etwas könne, werde auch etwas. Doch meine langjährigen Erfahrungen in der Beratung von Fach- und Führungskräften haben mich anderes gelehrt, sodass ich – eigentlich bedauernd – sagen muss: Oh Gott, wir brauchen die Quote tatsächlich." Das Ergebnis sollte jede Unternehmensleitung aufhorchen lassen, sagt sie.

In der Befragung wollten die Autoren auch herausfinden, wo die Ursachen für Schlechterstellung liegen. Während in der Umfrage von 2012 neben dem Umstand, dass die Entscheidungsgremien in den Unternehmen männerdominiert sind (2012: Platz eins mit 24,3 Prozent) noch 17,7 Prozent der Befragten selbstkritisch ein schwaches Selbstmarketing anführten, sank dieser Punkt nun auf den vierten Rang ab. Für Kroll ein Indiz, dass Frauen in den letzten Jahren deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen hätten und sich besser vermarkten würden.

Neue Regeln in Deutschland

Während 2012 noch knapp 40 Prozent der Befragten meinten, dass am dringendsten das Topmanagement deutlich machen müsse, dass es den Kulturwandel hin zu mehr Frauen will und voll unterstützt, sank dieser Wert 2015 auf 30 Prozent. Dafür waren nun mehr Frauen der Ansicht (19 Prozent), dass nur eine verbindliche Quote im Unternehmen, verbunden mit spürbaren Sanktionen, Abhilfe leisten könne.

In Deutschland wurde im März eine Frauenquote beschlossen. Demnach müssen börsennotierte Unternehmen ab 2016 bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten den 30-Prozent-Anteil einhalten. Wird keine Frau gefunden, muss der Posten unbesetzt bleiben. 3.500 mittelgroße Unternehmen sollen sich bis Ende September eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und den obersten zwei Ebenen des Managements setzen – die sogenannte Flexiquote solle dann nachträglich nicht korrigiert werden dürfen. Das Gesetz enthält außerdem Regeln für eine Frauenquote im öffentlichen Dienst des Bundes. Für "Die Führungskräfte" zu wenig: Es dürfte kaum ausreichen, um eine gerechtere Verteilung von Führungspositionen auf breiter Ebene zu erreichen.

Bald auch in Österreich?

In Österreich würden bereits manche "führenden Politiker" über eine ähnliche Quote wie in Deutschland nachdenken, erzählte eine deutsche Topmanagerin am Rande einer Diskussion zur Quote vor wenigen Wochen. Offiziell wurde allerdings noch nichts in diese Richtung kommuniziert. (lhag, 12.6.2015)

  • 19 Prozent der befragten Frauen sind der Meinung, dass nur eine verbindliche Quote in Unternehmen, verbunden mit Sanktionen, gegen Benachteiligung hilft.
    foto: apa

    19 Prozent der befragten Frauen sind der Meinung, dass nur eine verbindliche Quote in Unternehmen, verbunden mit Sanktionen, gegen Benachteiligung hilft.

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