Novomatic durchkreuzt Glücksspiel-Neuordnung

9. Juni 2015, 18:14
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Große Verärgerung nach Lotterien-Einstieg – Pläne für Casinos Austria wackeln

Wien – Der Einstieg von Novomatic bei den Österreichischen Lotterien hat am Dienstag für Gesprächsstoff in der Glücksspielszene und bei den Mitgesellschaftern der Casinos-Austria-Mehrheitsbeteiligung gesorgt. Dass es der Gumpoldskirchner Konzern bei einer Beteiligung von acht Prozent, die er der B&C Holding abkaufte, belassen wird, bezweifeln Involvierte. Novomatic-Chef Harald Neumann sagte zum Standard, dass weitere Zukäufe gewünscht seien, wenn Anteilseigner zum Verkauf bereit sind.

Verärgert sind vor allem einige Mitaktionäre der Lotterien. Sie hatten sich angesichts der sich abzeichnenden Veränderungen abwartend verhalten und sind vom Novomatic-Coup am falschen Fuß erwischt worden. Der Grund: Der größte Glücksspielkonzern Europas hat gleich die ganze B&C-Tochter, die die Lotto-Beteiligung hielt, geschluckt. Dadurch kamen die Vorkaufsrechte der Miteigentümer nicht zur Anwendung. Die Reaktionen der Lotterien-Gesellschafter – neben der Casag mehrere Banken, die Melchart Privatstiftung und der ORF – fallen unterschiedlich aus.

Verärgerung

Auch wenn keine offizielle Stellungnahme erhältlich war, äußerten sich Vertreter zum Teil verärgert, zum Teil wird Novomatic Respekt gezollt: "Die trauen sich was", meinte ein Lotto-Aufsichtsratsmitglied. Immerhin werde mit dem Manöver der Plan des Finanzministers durchkreuzt, die Casinos Austria gänzlich zu erwerben und zu reprivatisieren. Die Aktion von Novomatic sei "eine Watsche für den Finanzminister", so der Kapitalvertreter. Andere Involvierte teilen diese Einschätzung, gehen noch einen Schritt weiter: Das Projekt Fledermaus, wie die geplante Verstaatlichung der Casinos intern heißt, könnte ihrem Eindruck nach sogar scheitern.

Zur Erklärung: Die Staatsholding Öbib hat den Drittel-Anteil der Münze Österreich an der Casag erworben und will nun auch die restlichen Anteile kaufen, die unter anderem von Raiffeisen, der Donau Versicherung und der Bablik-Stiftung gehalten werden. Dazu wäre es zweckmäßig, im Anschluss auch die Eigentümerstruktur bei den Lotterien, der Cashcow der Casag, zu bereinigen. Konzernchef Karl Stoss müsste dafür dem Vernehmen nach gut 200 Millionen Euro auf den Tisch legen.

Dass sich das Investment rentiert hätte, davon ist man in der Casag überzeugt: Man geht davon aus, dass sich zwischen Mutter und Beteiligung große Synergien heben ließen. Und die Entscheidungsfindung wäre ohne die Einflussnahme der Miteigentümer auch leichter. Dieses Vorhaben ist nun jedenfalls geplatzt. Dass B&C beziehungsweise Novomatic die anderen Player genau in dieser heiklen Phase vor vollendete Tatsachen stellen, sei "völlig überraschend gekommen", meint ein Insider. Die Co-Gesellschafter "fühlen sich durch die Vorgangsweise übergangen", meint er.

Besonders heiß ist man auf Erich Hampel. Der frühere Chef der Bank Austria leitet die B&C Stiftung, die indirekt auch Anteile an Semperit, Amag oder Lenzing hält. Hampel soll die treibende Kraft am Verkauf des Lotterien-Anteils an Novomatic gewesen sein. Er ist auch Aufsichtsratsvize der Lotterien. Im Unternehmen wünscht man sich jetzt einen baldigen Abgang des Ex-Bankers aus dem Gremium.

Hampel schießt schon länger quer: Im Mai wollte er das Verbot des Kleinen Glücksspiels in Wien knacken, indem die Lotterien groß in das Geschäft einsteigen. Bei der Konzession des Unternehmens für Video-Lotterie-Terminals gibt es nämlich keine Beschränkung, obwohl sie sich kaum von Spielautomaten unterscheiden. Hampel blitzte ab. Und revanchierte sich umgehend. (Renate Graber, Andreas Schnauder, 10.6.2015)

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    foto: apa/fohringer
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