Roms Notwendigkeit des Dialogs mit Moskau

9. Juni 2015, 17:31
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Russlands Präsident Wladimir Putin besucht politische Freunde in Italien

Ein Heimspiel ist es zwar nicht, das den russischen Präsidenten am Mittwoch in Mailand und danach in Rom erwartet – das russische Vorgehen auf der Krim und in der Ostukraine hat auch in Italien für Irritationen gesorgt. Aber Wladimir Putin muss auch nicht mit wütenden Protesten rechnen: In Italien weht von jeher grundsätzlich ein eher russlandfreundlicher Wind. Er erhoffe sich vom Besuch Putins "eine Bestätigung der freundschaftlichen Beziehungen", hatte Außenminister Paolo Gentiloni am Montag erklärt. Der Umstand, dass es derzeit "eine Episode der Spannungen" wegen der Ukraine gebe, dürfe von der "Notwendigkeit des Dialogs mit Russland" nicht ablenken.

Diese Haltung steht in Kontrast mit der harten Linie der USA und der EU, die Putin wegen seines Vorgehens in der Ostukraine und der Krim die Teilnahme am G7-Gipfel in Oberbayern verweigert hatten. Ministerpräsident Matteo Renzi, der beim Gipfel auf Schloss Elmau dabei war, steht deshalb heute in Mailand ein politischer Spagat bevor: Einerseits kann er die Eskalation der Gewalt in der Ukraine nicht einfach übergehen; andererseits will er aber auch vermeiden, dass die guten bilateralen Beziehungen Schaden nehmen.

Viele Sympathisanten

In Renzis Partito Democratico (PD) tummeln sich noch zahlreiche Exponenten des früheren kommunistischen PCI - das gilt etwa auch für die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, der von Polen und anderen Ex-Ostblockstaaten eine zu große Russlandnähe vorgeworfen wird. Unter vielen Ex-Kommunisten im PD sind bis heute antiamerikanische Reflexe wach geblieben; sie machen für die Ukraine-Krise weniger Moskau, sondern eher den "amerikanischen Imperialismus" verantwortlich.

Russland genießt aber nicht nur unter den Linken Sympathien. Fast noch mehr finden sich in den Reihen der Rechten. Ex-Premier Silvio Berlusconi verbindet mit dem Ex-Kommunisten Putin eine langjährige persönliche Freundschaft. Der russische Präsident hat den Ex-Cavaliere mehrfach in seinen Villen privat besucht und ihm für seine Residenz in Rom auch ein großes Doppelbett geschenkt. "Putins Bett" im Palazzo Grazioli hat im Zusammenhang mit den Sexskandalen Berlusconis internationale Schlagzeilen gemacht.

Und auch der Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, ist bekennender Putin-Bewunderer. Nach seinem letzten Moskau-Besuch twitterte der rechte Scharfmacher begeistert: "Hier gibt es keine illegalen Einwanderer. Keine Bettler, die Autoscheiben putzen. Kein Roma-Ghetto."

Eng sind auch die wirtschaftlichen Beziehungen: Russland ist für Italien ein wichtiger Absatzmarkt für dessen Lebensmittel, Mode, Möbel, Sportwagen und Maschinen. Im Zuge der EU-Sanktionen brachen im vergangenen Jahr die italienischen Exporte nach Russland laut der Statistikbehörde Istat um 11,6 Prozent ein; dieses Jahr setzt sich der Absturz verschärft fort.

Umgekehrt ist Italien abhängig von russischen Gas-Importen: Diese haben sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und decken nunmehr 40 Prozent des gesamten Gasverbrauchs in Italien. (Dominik Straub aus Rom, 9.6.2015)

  • Ein Bild aus vergleichsweise unbeschwerten Zeiten. Silvio Berlusconi mit Wladimir Putin unweit Moskaus im fernen Februar 2003.
    foto: ap/viktor korotayev

    Ein Bild aus vergleichsweise unbeschwerten Zeiten. Silvio Berlusconi mit Wladimir Putin unweit Moskaus im fernen Februar 2003.

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