HSBC: Jobabbau wegen vergangener Sünden

9. Juni 2015, 17:45
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Der Kahlschlag bei der Großbank HSBC durch den Abbau von 50.000 Mitarbeitern steht für die Probleme der gesamten Branche

London/Wien – Heilige Kühe kennt Stuart Gulliver laut eigenen Aussagen keine, schon gar nicht im seinem Haus. Dementsprechend hat der Chef der britischen HSBC zum Kahlschlag ausgeholt: 50.000 Jobs sollen bei Europas größter Bank bis 2017 wegfallen, das ist jeder fünfte Arbeitsplatz. Erklärtes Ziel Gullivers ist es, dadurch eine jährliche Kostenersparnis zwischen 4,5 und fünf Milliarden US-Dollar zu erreichen.

Im Detail sollen die Töchter in Brasilien mitsamt 25.000 Mitarbeiter verkauft werden, nochmals dieselbe Summe an Jobs wird in verbleibenden Konzernteilen eingespart. Dadurch wird der Personalstand bei HSBC auf knapp über 200.000 sinken, das ist um ein Drittel weniger als vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007. Zwar ist das Sparprogramm der HSBC eines der radikalsten, aber dennoch handelt es sich dabei um ein branchenweit auftretendes Phänomen.

Die Ertragslage der Banken befindet sich nämlich besonders in Europa auf bescheidenem Niveau. Ursachen sind das niedrige Zinsniveau sowie die deutlich strengeren Eigenkapitalerfordernisse, die den Geldhäusern in den vergangenen Jahren auferlegt wurden. Beide Phänomene sind letzten Endes auf die von den Banken ausgelöste Finanzkrise zurückzuführen - einerseits um deren Folgen abzufedern, andererseits um eine Wiederholung der spekulativen Exzesse der Vorkrisenzeit deutlich zu erschweren.

300 Milliarden Dollar Strafen

Zudem machen den globalen Großbanken auch die diversen juristischen Sündenfälle der Vergangenheit der Branche zu schaffen. Wie eine globale Studie der britischen CCP Research Foundation von 16 Großbanken ergibt, haben deren Kosten für Bußgelder, Vergleiche und Rückstellungen zwischen 2010 und 2014 auf insgesamt mehr als 300 Milliarden Dollar zugenommen. Dabei sind viele laufende, behördliche Untersuchungen von dieser Studie noch gar nicht mit inbegriffen, die auch bisher nicht betroffene Geschäftsteile der Banken erfassen.

Zum Handkuss kommen im Endeffekt die eigenen Mitarbeiter der Institute, schließlich machen die Personalausgaben rund die Hälfte der operativen Kosten aus. Wie eine Untersuchung des Wirtschaftsprüfers EY (Ernst & Young) vor kurzem ergeben hat, planen in Europa heuer 43 Prozent der Finanzhäuser ihre Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Jede vierte Bank wälzt demnach sogar umfassende Restrukturierungspläne wie den Verkauf von Geschäftsteilen.

Ineffiziente Österreicher

In Österreich will demnach jede zweite Bank den Personalstand verringern. Aus gutem Grund, wie eine weitere Studie zeigt: Laut AT Kearney befanden sich die heimischen Institute 2014 bei der Kosteneffizienz europaweit auf dem vorletzten Platz. Das Verhältnis von Kosten zu Ertrag lag bei 71 Prozent und damit deutlich hinter den Branchenbesten. Am effizientesten arbeiteten die Institute Spaniens mit einem Verhältnis von 48 Prozent, gefolgt von nordeuropäischen Geldhäusern mit 50 Prozent. Weit abgeschlagen liegen die Banken Portugals mit einem Verhältnis von 96 Prozent auf dem letzten Platz.

Die Ertragsschwäche in Europa machen sich indes chinesische Finanzhäuser zunutze. Diese haben in den letzten eineinhalb Jahren elf Übernahmen von Instituten aus der zweiten und dritten Reihe getätigt. Der bisher größte Brocken mit über vier Milliarden Euro wäre der Erwerb der drittgrößten Bank Portugals: Bei der zum Verkauf stehenden Novo Banco gelten der chinesische Versicherer Anbang gemeinsam mit dem Mischkonzern Fosun als aussichtsreiche Kandidaten. Experten erwarten, dass die chinesischen Expansionspläne künftig noch größere Institute betreffen werden.

Sorgen vor einer Übernahme aus dem Reich der Mitte muss sich HSBC-Chef Gulliver aber keine machen. Schließlich erwägt er selbst, den Firmensitz aus London nach Hongkong zurückzuverlegen, wo das Unternehmen vor 150 Jahren gegründet wurde – was am derzeitigen Stammsitz übrigens weitere 250 Menschen ihren Job kosten würde. (Alexander Hahn, 9.6.2015)

  • Rund 50.000 Jobs will die Großbank HSBC abbauen. Zudem stehen Töchter zum Verkauf, und die Verlegung des Firmensitzes wird erwogen.
    foto: alex hofford

    Rund 50.000 Jobs will die Großbank HSBC abbauen. Zudem stehen Töchter zum Verkauf, und die Verlegung des Firmensitzes wird erwogen.

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