Nun auch große Koalition in der Türkei im Gespräch

9. Juni 2015, 17:19
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Erdogan erstmals seit 13 Jahren abgetaucht

Halb amüsiert, halb erschrocken zählt die türkische Öffentlichkeit die Minuten: Tayyip Erdogan schweigt. Zum ersten Mal seit 13 Jahren meldete sich der Langzeitpremier und heutige Staatschef nicht pausenlos vor einer Kamera zu Wort. Auf Onlineausgaben mancher türkischer Zeitungen und in den sozialen Medien lief eine Erdogan-Uhr: Dienstagnachmittag war die Marke von 48 Stunden erreicht. Erdogan hatte bis dahin zum letzten Mal bei der Stimmabgabe in einem Istanbuler Wahllokal gesprochen. Danach verlor seine konservativ-islamische Partei AKP die Regierungsmehrheit.

Ein für Montag angekündigtes Treffen mit Regierungschef Ahmet Davutoglu verschob Erdogan auf Dienstag. In Fernsehrunden und auf den Titelseiten der Zeitungen gab es nur ein Thema: Koalition oder Neuwahlen? Kemal Kiliçdaroglu, der Chef der größten Oppositionspartei, der sozialdemokratischen CHP, lehnte einen neuen Gang an die Urnen ab. Das Land könne nicht ohne Regierung bleiben, sagte er. Das türkische Volk habe einer Fortsetzung der Alleinherrschaft der AKP eine Absage erteilt, es wolle eine Verständigung der Parteien. Kommentatoren sahen das als Angebot an die AKP, über eine große Koalition zu verhandeln. (Markus Bernath aus Istanbul, 9.6.2015)

  • Neuwahlen vermeiden: Kiliçdaroglu (Mitte), Chef der größten Oppositionspartei, scheint bereit für Gespräche mit der AKP.
    foto: ap / burhan ozbilici

    Neuwahlen vermeiden: Kiliçdaroglu (Mitte), Chef der größten Oppositionspartei, scheint bereit für Gespräche mit der AKP.

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