Breguet, Waterloo und der Wiener Kongress

11. Juni 2015, 09:47
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Schon so gut wie jeder Aspekt des Wiener Kongresses und seiner Folgen wurde beleuchtet. Ein interessanter Nebenschauplatz aus horologischer Sicht: Zahlreiche Protagonisten waren Kunden von Breguet

Im Jahr 1815 stand Abraham-Louis Breguet (1747–1823) seit 40 Jahren an der Spitze seines Uhrmacherbetriebs. Er hatte sich 1775 in Paris niedergelassen, verzeichnete unter der Herrschaft von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette erste Erfolge am Französischen Hof und musste während der Wirren der Französischen Revolution in die Schweiz, sein Geburtsland, zurückkehren.

foto: musee national suisse
Breguet N° 178 Reisependule aus dem Besitz von Napoleon Bonaparte

Reisependülette mit Viertelstunden-Repetition und Almanach. Gehäuse aus vergoldeter Bronze, Silberzifferblatt mit großem Fenster für die Mondphasenanzeige, vorgeblendete Platte aus vergoldetem Metall und Blattwerkgravuren mit drei Fenstern für Wochentag, Datum und Monat, Ankerhemmung. Verkauft an Napoléon Bonaparte am 24. April 1798.

Während der napoleonischen Epoche zählte er fast alle Mitglieder der Kaiserlichen Familie zu seinen Kunden. Breguet beschränkte sich jedoch nicht auf Frankreich - seine Kreationen waren auch in England, Spanien und Russland begehrt.

foto: breguet
Die Breguet N°423-5 wurde im Jahr 1809 dem russischen Zaren Alexander I. in St. Petersburg zum – für die damalige Zeit – stolzen Preis von 14.000 Goldfranken verkauft. Damals handelte es sich um eine sympathische Pendule, deren "Sympathie"-Mechanismus sowie deren Uhr heute verschwunden sind. Nichts desto weniger bleibt die, mit einer Hemmung mit konstanter Kraft ausgerüstete, Pendule ein emblematisches Stück, das den Innovationsgeist und die internationale Anerkennung von Breguet veranschaulicht.

A.-L. Breguet hatte in Russland großen Erfolg und fand im Zaren einen interessierten Freund seiner Kreationen.

Zwischen 1808 und 1810 führte er in Russland eine eigene Filiale, die allerdings auf Grund der politischen Auseinandersetzungen zwischen den Kaisern Napoleon und Alexander I. sowie dem Verbot für französische Produkte auf russischem Gebiet geschlossen werden musste.

Die B 423/5 wurde am 20. Oktober 2002 für 700.000 Euro von Nicolas G. Hayek, Präsident von Breguet bei Antiquorum erworben.

Die Politik Napoleons, die Kontinentalsperre und der Krieg mit Russland brachten ihn um seine Absatzmärkte. Der Sturz Napoleons, die Protektion durch Ludwig XVIII. und die Geburt des neuen Europa nach dem Wiener Kongress begünstigen jedoch den Aufschwung der Marke und leiteten die Blütezeit des Unternehmens ein.

Illustre Kundschaft: Zaren, Könige und Minister

Der Wiener Kongress (1814-1815) hatte das Ziel, nach der Niederlage von Napoleon die politische Karte Europas neu zu ordnen. Dieses Ereignis macht aber auch deutlich, welchen Platz Breguet und seine Zeitmesser damals einnahmen.

Historische Breguet N° 1693 mit der Gehäusenummer 2815. Es handelt sich dabei um eine Tastuhr mit zusätzlichem Zifferblatt. Die Taschenuhr wurde am 12. Februar 1809 an Fürst Stanislas Potocki für den Betrag von 1‘450 Francs verkauft und ist heute im Uhrenmuseum Wien zu bewundern.

Wer kann zu seiner Kundschaft den Zaren Alexander I. und dessen Verhandlungsführer Nesselrode, den österreichischen Minister und Regisseur des Kongresses Fürst Metternich, den Englischen Prinzregenten und dessen Minister Castlereagh oder den Preußischen König Friedrich-Wilhelm III. und dessen Verhandlungsführer Hardenberg und Humboldt oder den Prinzen Talleyrand zählen, der mit seinen außerordentlichen Fähigkeiten die Interessen eines geschwächten Frankreich vertrat?

foto: breguet
Breguet Nr. 2727, einfache Taschenuhr im Besitz des Breguet MuseusmsVerkauft an Marie-Louise von Österreich am 27. September 1813.

Die Liste der Breguet Kunden auf dem Wiener Kongress ist lang. Es darf aber auch der polnische Politiker Fürst Stanislas Potocki nicht vergessen werden. Seine, am 12. Februar 1809 für 1.450 Francs gekaufte Taschenuhr Breguet N° 1693 ist heute als Zeitzeuge im Wiener Uhrenmuseum zu bewundern.

Die Schlacht bei Waterloo

Auch am 19. und 20. Juni 1815 - während der Schlacht bei Waterloo – fanden sich treue Kunden von Breguet sowohl im Lager Napoleons als auch bei den Alliierten wieder. Die berühmtesten von ihnen sind zweifelsfrei Kaiser Napoleon und der Herzog von Wellington.

Auf Seiten der Franzosen gehörten aber auch Marschall Grouchy, Marschall Ney, Jérôme Bonaparte, der Chirurge Dominique Larrey sowie General Kellerman zu den Breguet Kunden; ihnen gegenüber standen unter anderem Lord Paget, Lord Somerset, Major Percy, die Generäle Cooke, Maitland und Posonby… sowie Pozzo di Borgo.

foto: the bridgeman art library
"Ich habe häufiger auf meine Uhr geblickt als anderswo hin":
Der Herzog von Wellington über seinen persönlichen Tag vor der entscheidenden Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815.

Breguet’s Verbundenheit mit der Geschichte Europas

Montres Breguet betreibt seit 2005 eine sehr aktive Politik im Bereich des kulturellen Mäzenatentums im Dienste des kulturellen Erbes. Zu den, von Breguet geförderten Projekten zählen die Finanzierung der vollständigen Restaurierung des Petit Trianon und des Pavillon Français im Domaine de Marie-Antoinette in Versailles, die Unterstützung des Louvre als Hauptsponsor bei der Restaurierung der, dem 18. Jahrhundert gewidmeten Räume in der Abteilung für Kunstgegenstände,die Finanzierung eines der Marinefliegerei gewidmeten Saals im Musée national de la Marine in Paris,das Sponsoring der Einrichtung des Salon Doré im San Francisco Fine Arts Museum ... um nur einige zu nennen.

Das Projekt Hougoumont

Mit der Unterstützung des Projekts Hougoumont bringt Montres Breguet die Verbundenheit der eigenen Geschichte mit der Geschichte Europas zum Ausdruck. Es handelt sich dabei um die Renovierung eines Gutshofes, der damals mitten im Schlachtfeld lag und das auch heute als "einziger Zeitzeuge" an die Heftigkeit der Kämpfe und die endgültige Niederlage des Kaisers erinnert.

foto: breguet
Die Zeitmesser der Breguet Kollektion Tradition erinnern heute an diese historischen Taschenuhr-Werke. Die Architektur des Werkes, mit dem zentral gelagerten Federhaus, den einzelnen Kloben und dem dezentral positionierten Zifferblatt findet in der zeitgenössischen Modelreihe Anwendung. Ein interessantes Detail ist die axiale Stosssicherung, auch "Pare-Chute" genannt, die direkt am Unruhkloben befestigt, seit 1790 für Zuverlässligkeit sorgt.

Die Architektur des Werkes dieser Breguet Tradition 7097 Retrograde Seconds Hand
aus 2015 entspricht im Design den historischen Breguet Taschenuhren wie beispielsweise jenem Modell Nr. 1693 von Fürst Stanislas Potocki.

Wellington und Napoleon betrachteten die Einnahme des Bauernhofes Hougoumont als entscheidend für den Ausgang der Schlacht. Wellington beschrieb die Wichtigkeit dieses Gebäudes mit folgenden Worten: "Der Ausgang der Schlacht wendete sich als die Tore von Hougoumont geschlossen wurden."

Die offizielle Einweihungszeremonie des restaurierten Anwesens von Hougoumont und seines "Salle Breguet" findet am 17. Juni 2015 statt und endet mit einem symbolischen Handschlag zwischen dem Herzog von Wellington, Prinz Blücher von Wahlstatt und Prinz Charles Bonaparte. (max, 11.6.2015)

Weitere Informationen: Breguet

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