Wilde Schimpansen berauschen sich mit vergorenem Palmsaft

11. Juni 2015, 15:50
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Alkoholkonsum ist auch unter Affen in freier Natur verbreitet, wie portugiesische Wissenschafter herausfanden

Conakry/Lissabon - Wissenschafter konnten erstmals nachweisen, dass auch wilde Schimpansen gezielt Alkohol konsumieren. In Guinea nehmen die Primaten - oft in geselliger Runde - mitunter literweise vergorenen Palmsaft zu sich. Mit zu Schwämmen umfunktionierten Blättern trinken sie bis zu drei Liter pro Trinkgelage, wie ein Team des anthropologischen Forschungszentrums (CRIA) in Lissabon im Fachjournal "Open Science" der britischen Royal Society berichten.

Danach zeigten die Primaten deutliche Anzeichen eines Rausches oder legten sich umgehend schlafen, so Kimberley Hockings und Kollegen. Es sei bereits seit längerem bekannt, dass Affen in Gefangenschaft Alkohol konsumieren, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, schreiben die Autoren. Auch die auf die Karibikinsel St. Kitts eingeschleppten, an Menschen gewöhnten Westlichen Grünmeerkatzen seien bekannt dafür, Cocktails von Touristen zu stehlen. Bei wild lebenden Affen habe es bisher keine gesicherten Hinweise auf Alkoholkonsum gegeben.

Evolutionärer Vorteil

Allerdings wiesen genetische Studie darauf hin, dass schon beim vor Millionen von Jahren lebenden gemeinsamen Vorfahren von Affen und Menschen eine Erbgutveränderung auftrat, mit welcher der Körper Alkohol 40-mal besser abbauen konnte. Alkohol entsteht oft in überreifen Früchten - die Fähigkeit, ihn zu verdauen, könnte für Früchte verzehrende Tiere einen evolutionären Vorteil darstellen.

In Bossou in Guinea sammeln Menschen Saft von Palmen, indem sie ihn in Behältern unter der Baumkrone auffangen. Der darin enthaltene Zucker fermentiert leicht, der Saft enthält im Schnitt etwa drei Volumenprozent Alkohol, maximal 6,9 Volumenprozent und wird gerne ohne weitere Verarbeitung genossen.

Selten, aber regelmäßig

Wenn die Schimpansen nicht schneller sind: Hockings und Kollegen filmten zwischen 1995 und 2012 Affen dabei, wie sie sich an diesen Behältern gütlich taten. Bis zu zehnmal pro Minute tauchten die Tiere ihre zerkauten Blattschwämme in den Saft und nahmen dabei im Schnitt einen Liter des Getränks zu sich.

Die Gelage dauerten zwischen einer und 30 Minuten, und die Primaten tranken sowohl allein als auch in der Gruppe. Der tierische Alkoholkonsum in Bossou findet insgesamt selten, aber regelmäßig statt, lautet das Fazit der Wissenschafter. Entsprechende Daten von Gorillas und Bonobos wären hilfreich, um herauszufinden, ob sie ebenfalls Alkohol verdauen können, so die Forscher. (APA, red, 11.6.2015)

  • Ein Schimpanse beim tiefen Blick ins palmweingefüllte Blatt.
    foto: gaku ohashi, chubu university and wildlife research center, kyoto university

    Ein Schimpanse beim tiefen Blick ins palmweingefüllte Blatt.

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