Forschungsrat sieht "Perlen", aber keine Kette

10. Juni 2015, 10:00
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"Bericht zur wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit Österreichs" vorgelegt

Wien - Er sehe "einzelne Perlen", aber noch keine Kette - so kommentierte der Chef des Forschungsrats, Hannes Androsch, die jüngsten Anstrengungen der Bundesregierung in den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation (FTI). "Zusammen tut sich zu wenig", so der Tenor am Dienstag bei der Vorlage des vom Rat erstellten "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs".

Solche "Perlen" sind laut Androsch etwa die auf den Weg gebrachten Erleichterungen im Stiftungsrecht, mit denen die privaten F&E-Investitionen erhöht werden sollen, oder die Erhöhung der Forschungsprämie von zehn auf zwölf Prozent. Vom in der FTI-Strategie selbst gesteckten Regierungs-Ziel, die Forschungsausgaben bis zum Jahr 2020 auf 3,76 Prozent des BIP ansteigen zu lassen, sei man aber trotzdem "weit entfernt".

Größerer Abstand zu Innovationsführern

Einmal mehr bemängelte Androsch die verloren gegangene Innovationsdynamik. Der Abstand zur Gruppe der Innovationsführer werde nicht kleiner, wie in der Strategie angepeilt, sondern sogar größer. Die F&E-Quote ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen - das liege aber auch daran, dass die "Bemessungsgrundlage", also das BIP, kaum gewachsen ist, erklärte der Ex-Finanzminister.

Um die Performance Österreichs im internationalen Vergleich sowie die Fortschritte bei der Zielerreichung beurteilen zu können, hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) in Kooperation mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut und in Abstimmung mit den betroffenen Ressorts eine Reihe von Indikatoren entwickelt, überprüft diese jährlich und erstellt einen Bericht darüber. Insgesamt sei die Situation in Österreich nicht schlecht, in der Analyse zeigen sich aber Defizite.

Deutlich zu Tage treten diese laut RFT-Bericht im Bildungsbereich: Während im Schulbereich die Entwicklungen zwar positiv, aber nicht ausreichend seien, erhält das tertiäre Bildungssystem das Prädikat "Performance klar unzureichend". Hervorgehoben wird die geringe Anzahl an (Doktorats-)Absolventen in naturwissenschaftlich-technischen Fächern (MINT-Fächer) und die zu geringen Hochschulausgaben pro Student.

Wenig "Output"

Damit in Verbindung steht laut dem stellvertretenden RFT-Chef Peter Skalicky auch die Problematik, dass aus Universitäten und anderen Forschungsinstitutionen noch relativ wenig "Output" in Form von Innovationen, also etwa hochtechnologischen Neuerungen und Produkten, komme. Gerade mehr Absolventen in "innovationsintensiven Studienfächern" wie den MINT-Fächern könnten hier etwas bewegen. Diese Fächer seien aber immer noch zu wenig nachgefragt, sagte Skalicky.

Viele angehende Studenten würden durch den hohen Mathematik-Anteil in solchen "als schwer geltenden Studien" abgeschreckt. Das liege auch daran, dass Mathematik-Kenntnisse nach der Schule oft "unterbelichtet" seien.

Dass es in Österreich an Innovationsorientierung mangle, sei aber kein primäres Problem der Unis, sondern ein Symptom eines "gesamtgesellschaftlichen Problems", so Skalicky. Auch Androsch sprach von fehlender Innovationskultur, mangelndem Gründungsspirit, zu wenig Risikokapital und in Folge dessen zu wenig Start-ups und Spin-off-Unternehmen aus dem universitären Bereich.

"Viel Wissen, aber zu wenig Innovation", ortete auch RFT-Geschäftsführer Ludovit Garzik. 2015 markiere jedoch einen Punkt, an dem noch Weichenstellungen möglich sind, um die Ziele der FTI-Strategie zumindest teilweise zu erreichen. Laut dem Bericht braucht es hier einen groß angelegten, durchgeplanten Reformprozess. Als Steuerinstanz schlägt der Rat eine "Reformagenda FTI" unter der Leitung des Bundeskanzleramtes, in der alle für FTI zuständigen Ministerien beteiligt sind, vor. Laut Androsch sind auch die Umsetzung des lange angekündigten Forschungsfinanzierungsgesetzes oder die Schaffung besserer Bedingungen für Jungforscher wichtige Bedingungen zum Erreichen der hochgesteckten Ziele. (APA, 10.6.2015)

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