Performing Public Art: Öffentliches Ausmisten der Wertschöpfungskette

9. Juni 2015, 17:03
1 Posting

Das Festival der Universität für angewandte Kunst präsentiert neun Möglichkeiten künstlerischen Handelns

Wien - Draußen auf der Straße, da sind die anderen: Passantinnen und Passanten, die nicht unbedingt zum Kunstpublikum gehören, Wohl- und Wenigerhabende von diverser Herkunft mit und ohne Migrationshintergrund, aller Altersstufen und Bildungsschichten. Dort, außerhalb der Kunstkuben und Live-Art-Boxen, präsentiert das Festival "Performing Public Art" der Wiener Universität für angewandte Kunst als Teil der neuen Vienna Biennale neun Möglichkeiten künstlerischen Handelns.

Für das Donnerstag startende Programm stehen immerhin Gerald Bast, Rektor der Angewandten, und ZKM-Chef Peter Weibel gerade. Das sieht nach Statement aus: Die Performance behält ihren Kurs bei - hin zu einer fixen Größe der Gegenwartskunst - und baut sich als Opposition zur Marktware auf. Schuld daran sind die Trans- und Interferenzen der letzten Jahre zwischen bildender Kunst, Aktivismus, Theater, Choreografie, Intervention und Performance.

Zeitlupenperformance und Kameraanzug

Dass die Angewandte da mitmischen will, hat sie bereits 2014 mit dem Festival "Open" im Museumsquartier angedeutet. Diesmal geht es um Public Art. Den Auftakt liefert am 11. Juni der Berliner Johan Lorbeer mit einer Zeitlupenperformance an der Fassade der Hochschule. Das koreanische Duo Shinseungback Kimyonghun (Korea) probiert im Angewandte Innovation Laboratory und später dort, wo eingekauft und gefahren wird, einen Kameraanzug aus. Der Pole Artur Zmijewski thematisiert den Nutzen von Kunst.

Weiter geht es mit einer Demoprozession des Wiener Beschwerdechors (15. 6.), einer Lachperformance von Barbara Holub und Paul Rajakovics (19. 6.) und der irritierenden Intervention Ordering the Public der Australierinnen Amy Spiers & Catherine Ryan (ab 26. 6.). Barbis Ruder transportiert ihre Wertschöpfungskette: 2F - Attacke durch die Stadt. Ebenso zu Gast: Der berühmte "Standing Man" vom Taksimplatz, Tänzer Erdem Gündüz (27./28. 6.) und Wermke & Leinkauf aus Berlin, die bei den Augarten-Flaktürmen ein Ausmisten starten. Eine kleine Schau illustriert überdies die kurze Geschichte der performativen Public Art. (Helmut Ploebst, 9.6.2015)

Performances bis 5. 7.

www.viennabiennale.org

  • Johan Lorbeer bei einer seiner Stillleben-Performances 2011 in Bilbao: Nun bestreitet er den Auftakt des "Performing Public Art"-Festivals in Wien.
    foto: reuters/vincent west

    Johan Lorbeer bei einer seiner Stillleben-Performances 2011 in Bilbao: Nun bestreitet er den Auftakt des "Performing Public Art"-Festivals in Wien.

Share if you care.