Erika Stix: "Jetzt reicht es mir!"

9. Juni 2015, 14:32
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Austrittsreigen im Burgenland - Witwe von Niessls Vorgänger, Karl Stix, "legt Protest ein"

Das pannonische Rot-Blau sorgt auch im eigenen Stall für Unruhe. Auch im Burgenland verabschieden sich SPÖ-Mitglieder von ihrer politischen Heimat. Miriam Herlicska, Gemeinderätin in Oberwart, nahm am Dienstag ebenso den Hut wie Andreas Posch, Landesobmann der Kinderfreunde, der enttäuscht facebookte: "Nach fast 40 Jahren Lebensgemeinschaft gebe ich hiermit meine Trennung von der SPÖ bekannt."

Robert Hergovich, designierter Klubobmann im Landtag, aber immer noch auch Landesgeschäftsführer, sieht die Lage allerdings wenig dramatisch an. "Wir haben", so Hergovich zum Standard, "neun Austritte, aber auch vier Eintritte."

Ob den Austritten auch eine gewisse Erika Stix sei? Davon wisse er nichts.

Erika Stix, die Witwe von Hans Niessls Vorgänger, Karl Stix, erklärte allerdings dem Standard, sie habe nun ein Zeichen setzen müssen. "Jetzt reicht es mir!" Mit 15 trat Erika Stix der Sozialistischen Jugend bei, "16 Jahre war ich Obmann-Stellvertreterin, den Karl hab ich da ja erst kennengelernt". Den Weg mit Blau könne sie nun nicht mitgehen, "ich bleibe noch bei der Volkshilfe", ansonsten würden sich die Wege trennen. "Das ist nicht einfach nach 64 Jahren." Aber auch mit 80 "muss man Protest einlegen".

SJ Burgenland kommt nicht zur Ruhe

Auch bei der Parteijugend rumort es. Nachdem erst am Montag die neue geschäftsführende Landesvorsitzende Silvia Czech erklärt hatte, die Sozialistische Jugend Burgenland sei gegen eine Regierungsbeteiligung der FPÖ, trat Dienstag die SJ Güssing in Aktion: Man stehe zu rot-blau im Burgenland, hieß es in einer Aussendung.

Während der Koalitionsverhandlungen hatte zunächst die SJ des Bezirks Neusiedl am See die Position der Landes-SPÖ, Gespräche mit den Freiheitlichen zu führen, verteidigt. Am Samstag verkündete dann Kilian Brandstätter, der im Bezirk Neusiedl ein Vorzugsstimmenmandat erobert hatte, seinen Rücktritt als SJ-Landesvorsitzender.

Am Sonntag wählte der Landesvorstand einstimmig Czech zur neuen SJ-Landeschefin. Diese teilte mit: "Die Positionierung der SJ ist und war sowohl anhand der Beschlüsse klar: Freiheitliche in der Regierung, das widerstrebt unseren Grundsätzen."

Am Dienstag zeigte sich nun der Güssinger SJ-Bezirksvorsitzende Thomas Prenner laut Aussendung "bestürzt" über den Rücktritt von Brandstätter. Die SPÖ und Landeshauptmann Hans Niessl hätten "richtig erkannt, dass man mit fast 42 Prozent der Wählerstimmen weiter Verantwortung für das Land nehmen muss."

Brandstätter habe diese Verantwortung mitgetragen und werde das auch in Zukunft im Landtag tun. "Schade ist, dass der Rest der SJ nicht verstehen will, dass die FPÖ so oder so in der Regierung gewesen wäre und es besser ist, dass nun die SPÖ ihr als großer Koalitionspartner auf die Finger schauen kann", erklärte Prenner. Er glaube nicht, dass es Niessl bei der Bildung der Koalition um Machterhalt gegangen sei.

"Die SJ Burgenland hat Beschlüsse, an die man sich hält", verwies man seitens der Landesorganisation auf einen Beschluss der Landeskonferenz vom vergangenen Dezember. Damals habe sich die Mehrheit gegen eine Regierungsbildung mit der Freiheitlichen Partei entschieden. (Wolfgang Weisgram, APA, 9.6.2015)

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