Über Geld spricht man – doch

9. Juni 2015, 13:58
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In einer neuen Befragung geht es um das Thema Gehalt beim Bewerbungsgespräch. Bewerber dürfen sich über die Ergebnisse freuen

Die Frage nach dem Gehalt beim Bewerbungsgespräch ist kein Tabu mehr. Bewerber dürfen das Thema aktiv ansprechen und nach der Höhe der Vergütung fragen - das ist eines der Ergebnisse der aktuellen Arbeitsmarktstudie im Auftrag vom Personaldienstleister Robert Half, für die 100 HR-Manager in Österreich befragt wurden.

Job-Kandidaten dürfen in Bewerbungsprozessen selbstbewusst auftreten und die eigenen Gehaltsvorstellungen von sich aus ansprechen. Als idealen Zeitpunkt für die Frage zur Vergütung nennt die Mehrheit der befragten Personalverantwortlichen (46 Prozent) die zweite bzw. darauffolgende Bewerbungsrunden. Lediglich zwölf Prozent der befragten Personaler sind der Ansicht, Gehaltsdiskussionen sollten stets vom Unternehmen angesprochen werden.

Den eigenen Wert kennen

"Österreichs Unternehmen sind derzeit zwar bereit, höhere Gehälter zu bezahlen", geht Robert Szvetecz, Country Manager bei Robert Half auf ein weiteres Ergebnis der Arbeitsmarktstudie ein. "Dennoch sollten Bewerber im Vorfeld ausloten, welche Vergütung angemessen ist und die eigenen Gehaltswünsche dann wohlüberlegt äußern und geschickt argumentieren. Wer weiß, wie hoch die branchenüblichen Gehälter für vergleichbare Positionen sind, kann realistische Forderungen stellen." Während zu hohe Forderungen zu einem frühzeitigen Ausscheiden aus dem Bewerbungsprozess führen könnten, würden zu niedrige Vorstellungen auf mangelnde Erfahrung oder ein mangelndes Selbstbewusstsein des Bewerbers schließen lassen, sagt Szvetecz. "Die Erfahrung zeigt, dass Bewerber bei einem Arbeitgeberwechsel bis zu zehn Prozent mehr Gehalt fordern können."

Die von Robert Half entwickelte Arbeitsmarktstudie wird jährlich in zwölf Ländern erhoben - neben Österreich auch in Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Niederlande, der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Befragung wurde im Dezember 2014 durchgeführt.

Shitstorm für Microsoft-CEO

Die Zeichen für mehr Kohle stehen also gut. Wie das Gespräch aber angehen? Das Internet ist voll von Tipps und Tricks. Wie immer gilt hier zwischen guten und nicht ganz so ernst gemeinten Tipps zu unterscheiden.

Für viel Aufsehen sorgte etwa der Tipp von Microsoft-CEO Satya Nadella im Oktober 2014. Nadella wurde auf einer Konferenz gefragt, wie Frauen im Technologiesektor vorankommen sollten. "Es geht nicht wirklich darum, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen", sagte Nadella. "Aber man muss wissen und Vertrauen haben, dass das System einen im Laufe der Zeit mit der richtigen Gehaltserhöhung versorgt." Nachsatz: "Gutes Karma" werde sich letztlich auszahlen. Nach viel Kritik entschuldigte sich Nadella bereits wenige Stunden danach via Twitter.

Wie und wann ist es Zeit für mehr Geld?

Dann schon lieber auf Nick Corcodilos hören, der auf seinem Blog "Ask the Headhunter" alle möglichen Fragen - seit 1995 sind es bereits über 30.000 - zum Thema Karriere und Job beantwortet. Der Autor mehrerer Bücher rät zu Selbstbewusstsein: Die Arbeitgeber, die sich von einer gewünschten Gehaltserhöhung schockiert zeigen seien auch die, die ihre besten Mitarbeiter verlieren. Daraus leitet sich also gleich der Rat ab - bei zu geringer Wertschätzung, weiterziehen.

Schnell ergebe sich beim Job-Einstieg die Dynamik, dass man irgendwann viel mehr erledigt, als ursprünglichin der Job-Description stand. Das komme auch daher, dass Manager die genauen Arbeitsaufgaben oft nicht abschätzen können, beschreibt Corcodilos. Auch hier gelte: Ansprechen und selbstbewusst nach dementsprechender Mehrbezahlung fragen.

Zeitlich gebe es für ein Gehaltsgespräch eigentlich keine Begrenzung: nimmt die Arbeit bereits in den ersten sechs Monaten ein so viel höheres Ausmaß an, spreche nichts dagegen auch schon nach kurzer Zeit nach mehr Geld zu fragen.

Verhandlungstipps

Soviel zu Zeitpunkt und Auftreten. Aber wie sollte man das Gespräch angehen? Für Corcodilos und viele andere ist gute Vorbereitung das A und O. Der Blogger und Autor empfiehlt einen ganzen Plan im Gepäck zu haben - darin sollte enthalten sein was man bereits erreicht hat, was das Unternehmen durch die eigene Leistung gewonnen bzw. eingespart hat, aber auch die Herausforderungen, die bevorstehen und wie man an diese herangehen will. Denn: Gehaltserhöhungen gebe es selten für vergangene Leistungen. Was zähle sind Ideen für die Zukunft. Im Gespräch solle man den Eindruck vermitteln, dass man für die Zukunft des Unternehmens zentral ist. (lhag, 9.6.2015)

  • Wer mehr im Geldbörserl will soll fragen - die Gehaltserhöhung sei kein Tabu mehr, kommt zumindest Robert Half zum Schluss.
    foto: istock

    Wer mehr im Geldbörserl will soll fragen - die Gehaltserhöhung sei kein Tabu mehr, kommt zumindest Robert Half zum Schluss.

  • Karma allein ist auch nicht alles: Microsoft-CEO Satya Nadella sorgte mit seinem Tipp für Kritik.
    foto: reuters

    Karma allein ist auch nicht alles: Microsoft-CEO Satya Nadella sorgte mit seinem Tipp für Kritik.

  • Ist der Wunsch berechtigt sollten Chefs nicht verärgert reagieren. Sie verlieren sonst die besten Mitarbeiter, sagt Blogger und Autor Nick Corcodilos.
    foto: apa

    Ist der Wunsch berechtigt sollten Chefs nicht verärgert reagieren. Sie verlieren sonst die besten Mitarbeiter, sagt Blogger und Autor Nick Corcodilos.

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