Prozess gegen mutmaßlichen Chef der "Goldenberg"-Bande

9. Juni 2015, 11:52
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Soll Überfälle in Auftrag gegeben und Teil der Beute kassiert haben

Wien - Der mutmaßliche Chef der Wiener Jugendbande "Goldenberg" sowie sieben weitere Angeklagte müssen sich seit Dienstag am Wiener Landesgericht verantworten. Magamed M. (21), der sich "Max Goldenberg" nannte, hatte laut Anklage die Mitglieder der nach ihm benannten Bande vor allem über Facebook rekrutiert. Der Prozess ist für vier Tage anberaumt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den jungen Männern im Alter von 17 bis 21 Jahren unter anderem Raubüberfälle, Erpressung und Drogen-Geschäfte vor. Als Chef soll der gebürtige Tschetschene sich nur selten unmittelbar selbst an den kriminellen Handlungen beteiligt haben. So ist er lediglich wegen Beihilfe zu zwei Überfällen, Körperverletzung, Erpressung und Drogenhandels angeklagt. Er soll allerdings die Aufträge zu den Straftaten vergeben und die Verteilung der Beute - insgesamt rund 24.000 Euro - übernommen haben.

Bis zu 150 Jugendliche und junge Erwachsene sollen der Gang angehört haben. Die Goldenberg-Vereinigung an und für sich sei nicht kriminell gewesen, schränkte nun der Staatsanwalt ein. 33 wurden jedoch zur Anzeige gebracht. Neben Magamed M. müssen sich aktuell sieben Mitangeklagte vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Daniel Rechenmacher) verantworten. Zwei separate Verfahren gegen Banden-Mitglieder haben bereits stattgefunden und sind mit erstinstanzlichen Schuldsprüchen zu Ende gegangen.

Angeklagte teilweise geständig

Die Angeklagten im gegenständlichen Verfahren stehen teilweise das erste Mal vor Gericht, die Mehrzahl weist allerdings einschlägige Vorstrafen auf, die noch zur Probe nachgesehen und damit nicht getilgt sind. Ihre Verantwortung war unterschiedlich. Teilweise wurden die Raubüberfälle zugegeben, jene, die nur Beiträge dazu geleistet haben, bestritten jedoch zumeist jede Tatbeteiligung oder Mithilfe.

Auch der Hauptangeklagte war nur teilgeständig: Dass die anderen Raubüberfälle begangen hatten, dafür könne er nichts. Es hätte keine Koordinationssitzungen gegeben und in Auftrag habe er die Taten schon gar nicht gegeben. Teilweise geständig war der 21-Jährige bezüglich der Erpressung. Laut Anklage hatte er einem Süchtigen eine kleine Menge Cannabis übergeben und dafür einen weit überhöhten Preis verlangt. Sein Opfer habe er mit zwei weiteren Angeklagten erpresst.

Magamed M. wollte davon allerdings nichts wissen. Er habe dem Mann kein Suchtgift verkauft, sondern 600 Euro geborgt. Dies habe er etwas zu nachdrücklich zurückverlangt, weshalb er sich diesbezüglich einer Nötigung schuldig bekannte. (APA, 9.6.2015)

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