Blauer Portugieser: Renaissance eines Underdogs

Kolumne18. Juni 2015, 17:39
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Lange Zeit wurder er in zweifelhafter Qualität produziert, nun erlebt er ein Comeback

Das Schlimmste ist überstanden: Statt Syrah, Merlot und Cabernet dominieren wieder traditionelle Rebsorten das Portfolio ernstzunehmender Winzer. Auch die seuchenartige Verbreitung von Cuvées mit seltsamen Namen scheint endlich abzuebben.

Inzwischen erkennen auch die letzten Produzenten, dass sie nicht mit austauschbaren Allerweltsweinen, sondern individuellen Kreszenzen punkten. Internationale Rebsorten eignen sich hierzulande halt nur bedingt. Freilich haben wir großartige Rieslinge und gelungene Pinot Noirs, aber wirklich gut aufgestellt sind wir mit Blaufränkisch, Grünem Veltliner und Co.

Aschenputtel

Manche traditionellen Rebsorten fristen dennoch ein kümmerliches Dasein: wie der Portugieser, ein Underdog unter den Weinen. Lange Zeit wurde die ertragreiche Sorte hier fleißig produziert, wenngleich in zweifelhafter Qualität. Verkommen zum seichten Wässerchen, abgefüllt im Doppler. Für die renommierte britische Weinkritikerin Jancis Robinson etwa "stillt Portugieser nur den anspruchslosen Durst".

Bei sorgsamer Behandlung schafft es die Rebsorte aber durchaus zum zarten, schnörkellosen Wein mit feinem Aroma. Der Portugieser scheint nun eine wundersame Renaissance zu erleben. Winzer wie Fischer, Warnung, Bretz und Seymann verwandeln das Aschenputtel in eine anmutige Prinzessin. (Christina Fieber, Rondo, 12.6.2015)

  • Der blaue Portugieser schafft es zum zarten, schnörkellosen Wein mit feinem Aroma.
    dpa/ boris roessler

    Der blaue Portugieser schafft es zum zarten, schnörkellosen Wein mit feinem Aroma.

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