FWF-Aufsichtsratschef Imboden: Keine aufgeblähte Führung des Fonds

9. Juni 2015, 07:30
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Der Konflikt um die geplante Umstrukturierung in der Führung des Wissenschaftsfonds FWF spitzt sich zu

Wien - Die derzeit zur Begutachtung ausgesandte Novelle zum Forschungs- und Technologieförderungsgesetz (FTFG) sieht, wie berichtet, einen Vierervorstand in der Agentur vor: Neben der derzeit amtierenden Präsidentin Pascale Ehrefreund wären das zwei Vizepräsidenten für wissenschaftliche Fragen und ein Vizepräsident für kaufmännische Angelegenheiten.

Für den Schweizer Dieter Imboden, Vorsitzender des FWF-Aufsichtsrats, wäre das eine für eine Förderagentur mit etwa 100 Angestellten aufgeblähte Führung, zumal die Ehrenamtlichkeit von Präsidentin und zwei wissenschaftlichen Vizepräsidenten wegfiele. Das Präsidium wäre dann Vollzeit, die beiden Vizepräsidenten wären Teilzeit angestellt.

"FWF ist keine Uni"

"Mir gefällt diese Entwicklung nicht", sagt Imboden dem STANDARD, der auch auf höhere Kosten für die Administration hinweist. "Und ich weiß nicht, aus welcher Not heraus man das nun umsetzen will". Imboden sieht die Kopie eines Universitätsmodells mit Rektor und Vizerektoren. "Nur, der FWF ist keine Uni, sondern eine Agentur, eine Selbsthilfeorganisation der österreichischen Wissenschaft".

Der FWF hatte zuletzt 211,4 Mio.Euro zur Verfügung und konnte 691 Projekte bewilligen. Die Bewilligungsquote nach Summe über alle FWF-Programme (ohne Schwerpunkt- und Doktoratsprogramme) lag bei 20,9 Prozent.

Imboden plädiert für einen schlanken Zwei-Personen-Vorstand des FWF. Eine Präsidentin oder ein Präsident, der für die wissenschaftlichen Belange zuständig ist. Und ein Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin. Der Schweizer sieht in dieser Frage den gesamten Aufsichtsrat hinter sich. Dieser hat sogar, in Anlehnung an erfolgreiche ausländische Forschungsagentur, vorgeschlagen, diese beiden Funktionen als ebenbürtige Partner auszugestalten und dem Aufsichtsrat zu unterstellen.

Ehrenamtlichkeit beibehalten

Ein Abrücken von der Ehrenamtlichkeit hält der ehemalige Präsident des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) für nicht notwendig. "Ich war in meiner Zeit als Präsident nie zu mehr als 60 Prozent beim Fonds angestellt, obwohl der SNF über ein ungefähr dreimal größeres Budget als der FWF verfügt." Die anderen 40 Prozent war der Umweltphysiker an seiner Stammuni, der ETH Zürich, beschäftigt. Und gerade das sei ein zentraler Punkt: "Das Präsidium soll jemand übernehmen, der in der Wissenschaft aktiv ist - also eine Ahnung vom täglichen Wissenschaftsbetrieb hat.

Derzeit gibt es neben der Präsidentin drei Vizepräsidenten für Wissenschaften (Christine Mannhalter, Hermann Hellwagner und Alan Scott) und eine Geschäftsführerin (derzeit: Dorothea Sturn). Auch die Stellungnahmen des FWF-Präsidiums zur Novelle waren durchwegs kritisch. Es sieht durch den Verzicht auf einen wissenschaftlichen Vizepräsidenten zu Lasten eines kaufmännischen "die fachlich-wissenschaftliche Qualität der Entscheidungen des FWF-Präsidiums gefährdet".

Man schlägt entweder eine Führung mit Präsident, drei wissenschaftlichen und einem kaufmännischen Vizepräsidenten oder die Einrichtung der Position eines "Chief Financial Officers" statt des kaufmännischen Vizepräsidenten vor. Imboden ist wie der übrige Aufsichtsrat bis Ende 2015 gewählt. "Bleibt die Novelle unverändert, dann werde ich es mir sehr ernsthaft überlegen, mich für eine zweite Amtsperiode zur Verfügung zu stellen, falls man mich überhaupt weiterhin wollte." (Peter Illetschko, 9.6.2015)

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