Vorbereitung: Der Feinschliff in der Isolation

8. Juni 2015, 19:01
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Das ÖFB-Team hat die intensive Vorbereitung für das Spiel gegen Russland aufgenommen. Teamchef Koller legt großen Wert auf die taktische Arbeit

Wien - Marcel Koller sagt, "dass wir noch ein paar Pfeile im Köcher haben". Natürlich wisse er nicht, inwiefern sich die Russen davon beeindrucken lassen. Anders ausgedrückt: "Ob Russland getroffen wird, merken wir erst am Sonntag in Moskau." Am Montag jedenfalls hat der Ernst der Vorbereitung begonnen. Um die Mittagszeit sind die letzten vier Spieler, Aleksandar Dragovic, György Garics, Marcel Sabitzer und Martin Hinteregger, in Wien eingetroffen. Danach mussten ein ÖBB-Railjet eingeweiht und Gruppenfotos für diverse Sponsoren gemacht werden, es ist ja nicht so, dass Fußballer ausschließlich Fußball spielen. Ab 17.30 Uhr wurde gearbeitet. Trainiert wird bei diesem Lehrgang in der Generali Arena, das Happel-Stadion wurde der angesagtesten Fußballmannschaft Österreichs von der angesagtesten Boyband weltweit, One Direction, weggeschnappt. Was aber wurscht ist, die Austria ist ein hervorragender Gastgeber, das Hauptspielfeld in einem perfekten Zustand.

Ruhig ins Detail

Die Einheiten werden bis auf eine Ausnahme hinter verschlossen Türen abgehalten, nur das selten spektakuläre Aufwärmen darf beobachtet, abgebildet, gefilmt werden. "Da können wir in Ruhe ins Detail gehen", begründet der Teamchef die Isolation. Die Tage davor in Stegersbach dienten eher der Entspannung, es wurde geklettert, mit Pfeil und Bogen auf leblose Scheiben geschossen, das hatte einen Hauch von Pfadfinderlager. Gegen Ende wurde zweimal intensiv trainiert. Koller: "Einige hatten eine Woche Urlaub, sie mussten sich an die Strapazen gewöhnen." Teambaby Philipp Schobesberger wurde taktisch eingeschult, er dürfte alles kapiert haben. "Er zeigt die Vorzüge, die er schon bei Rapid gezeigt hat."

Kein Test

Die Russen haben ein Länderspiel eingeschoben, am Sonntag wurde Weißrussland 4:2 geschlagen. Teamchef Fabio Capello experimentierte bei der Aufstellung, Koller ist freilich nicht gewillt, sich täuschen zu lassen. "Das Gerippe wird schon stehen, und am System wird sich nicht viel ändern." Österreich habe auf einen Test verzichtet, "weil das die Vorbereitung gestört hätte. Man braucht dann eine Regenerationsphase. Da ist es wichtiger, im taktischen Bereich zu arbeiten." Wobei wirklich Neues nicht zu erwarten sei. "Es geht ums Verfeinern, ums Auffrischen des Bekannten."

Österreich, es kann nicht oft genug erwähnt werden, führt die Tabelle der Gruppe G souverän an. Vom Mentalen her sei dies, so Koller, kein Nachteil, zumal auch in Wien 1:0 gewonnen wurde. "Aber das wird nicht entscheidend sein." Russland besitze hohe Qualität, habe durch die 3:0-Strafverifizierung der abgebrochenen Partie in Montenegro "Lunte gerochen". Die mäßigen Leistungen der Mannschaft in der EM-Quali, die Abwahl des Verbandspräsidenten Nikolaj Tolstych wegen hoher Schulden, die Korruptionsdiskussionen rund um Vergabe der WM 2018 und der Stripclub-Besuch von Mittelfeldstar Alan Dsagojew samt Vollrausch sollten keine Auswirkungen haben. "Die russischen Spieler stecken das weg." Sollte einer seiner Burschen vollfett aus der Rolle fallen, würde Koller nicht überreagieren. "Das Privatleben geht mich nichts an, ich würde fragen, warum."

Jankos Suche

Der Schweizer hat die Aufstellung prinzipiell im Kopf, "aber man soll sich nicht zu früh festlegen". Dragovic wird mit Barcelona im Zusammenhang gebracht, der Teamchef fände das "toll", möchte sich aber nicht an Spekulationen beteiligen. Marc Janko sucht einen Verein, Koller ist diesen Zustand beim Mittelstürmer gewohnt. "Trotzdem ist es jetzt anders. In der Türkei durfte er nicht einmal mittrainieren, jetzt war er Schützenkönig in Australien."

Der Abflug nach Moskau erfolgt bereits am Freitag. Koller: "Bringen wir einen Sieg oder ein Remis heim, sind wird der EM in Frankreich ein Stück näher." (Christian Hackl, 8.6.2015)

  • Dirigent Marcel Koller hat die Aufstellung prinzipiell im Kopf, legt  sich aber nicht fest.
    foto: apa/jäger

    Dirigent Marcel Koller hat die Aufstellung prinzipiell im Kopf, legt sich aber nicht fest.

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