Flughafen-Streit beschert Ex-Minister Edlinger Razzia

9. Juni 2015, 05:30
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Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Mitarbeiter - Auch Sohn des früheren Politikers betroffen

Wien - Im Vorfeld der Aufsichtsratsitzung (23. Juni) am Wiener Flughafen, wo die Vertragsverlängerung der beiden Vorstände Julian Jäger (SP) und Günther Ofner (VP) über die Bühne gehen soll, gehen die Wogen hoch.

Die Beteiligten sind allesamt der SPÖ zuzurechnen: Der Ex-Chef des Flughafens Malta (gehört zu 33 Prozent dem Wiener Flughafen), Markus Klaushofer, wie der dortige Aufsichtsratchef, Nikolaus Gretzmacher. Letzterer war zwischendurch im Kabinett von Werner Faymann und Kabinettchef des damaligen Staatssekretärs Josef Ostermayer. Inzwischen ist er wieder beim Flughafen und arbeitet dort unter Jäger.

Gleich mehrere Verfahren hat Christoph Edlinger, Sohn von Exfinanzminister Rudolf Edlinger (SPÖ), laufen. Eines, gegen seine Entlassung, am Arbeits- und Sozialgericht und eines am Strafgericht Korneuburg.

Fünf Hausdurchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft führte 2014 fünf Hausdurchsuchungen durch. Eine davon am Wohnsitz von Edlinger Senior, weil auch der Junior dort gemeldet ist. Edlinger Junior wird u. a. Untreue vorgeworfen, der Flughafen hat diese Vorwürfe aber inzwischen zurückgezogen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Edlingers Entlassung begründet der Flughafen Wien u. a. mit dem Versand bzw. Empfang pornografischen Materials per E-Mail. Zudem wirft man ihm vor, "hinter dem Rücken des Vorstands regen E-Mail-Verkehr mit dem Ersten Präsidenten des Wiener Landtags, Harry Kopietz, und Flughafen-Aufsichtsratschef Ewald Kirschner" (SPÖ) gehabt zu haben.

Bitte um Unterstützung

So etwa am 14. Februar 2014, als sich Edlinger im Vorfeld der Auslagerung des von ihm einst geleiteten Bereichs und der Besetzung der Geschäftsführerposition in der Flughafen-Tocher VAI an Kopietz wandte: "Ich möchte mich nicht auf dem Altar des innerbetrieblichen Friedens opfern lassen. Es geht jetzt auch um meinen Job. Wenn du es für hilfreich hältst, würde ich auch mit Renate Brauner reden. Gerne auch mit Euch beiden gemeinsam. Am 4. 3. habe ich einen Termin bei Ewald Kirschner. Ich hoffe, dass das zeitlich nicht zu spät ist", heißt es in einem Schriftsatz des Flughafens.

Klaushofer wird u. a. vorgeworfen, eine teure Uhr deutlich billiger bekommen zu haben. Der Flughafen wirft ihm in einem Schriftsatz zudem vor, interne Geschäfts- und Investitionspläne an Dritte verraten zu haben. Der Airport will das mit E-Mails, Telefonaten und zwei Geschäftsreisen nach Paris belegen. Klaushofer wurde Anfang des Jahres entlassen, auch er hat dagegen geklagt. (Claudia Ruff, 8.6.2015)

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