Causa Puris: Ex-Hypo-Kunde belastet Kulterer

8. Juni 2015, 17:28
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Ein Zeuge sagt aus, dass der Exbankchef ihm gegenüber als Eigentümer der Hypo-Kreditnehmerin Puris aufgetreten sei. Kulterer bestreitet das

Wien – Die Zeugenaussage eines Ex-Hypo-Kunden bringt in die Causa Puris rund um Wolfgang Kulterer neue Bewegung. Der Geschäftsmann erklärte unter Wahrheitspflicht, Kulterer habe ihm gegenüber behauptet, Eigentümer der kroatischen Gesellschaft Puris d. d. zu sein. Puris war eine Geflügelfirma, deren Privatisierung und (gescheiterte) Sanierung die Hypo finanziert hatte. Am Ende hat die Bank Puris übernommen.

Der Verdacht auf Kickback-Zahlungen an Exbankchef Kulterer rund um Puris hat zuletzt auch den Hypo-U-Ausschuss beschäftigt. Dort wurde ein entsprechender Aktenvermerk des damaligen Bankprüfers in der Nationalbank, Helmut Ettl, von 2007 thematisiert. Recherchen von Hypo-Wirtschaftsprüfer Deloitte hätten aber ergeben, dass "die Suppe zu dünn war", sagen Involvierte heute.

Poloklub hat Platz gebraucht

Inzwischen gibt es allerdings eine Anzeige der Soko Hypo gegen Kulterer: Er sei an Puris (wie auch an den Hypo-Kunden A. B. Maris und Darija) beteiligt gewesen. Kulterer bestreitet das, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Zeuge Georg L. schilderte den Klagenfurter Hypo-Ermittlern Anfang 2015 eine andere Geschichte. Er habe im kroatischen Motovun einen Poloklub errichten wollen, dafür habe er Kredit von der Hypo bekommen. Um das Projekt zu realisieren, habe er 2004/2005 landwirtschaftliche Flächen in Motovun pachten und Stallungen der Puris ebendort kaufen wollen.

"Kulterer wurde wütend"

Sein Ansprechpartner habe ihn diesbezüglich an Gerhard Prasser verwiesen, einen alten Freund Kulterers. Er war (wie Kulterers Exfrau) auch an der Beratungsgesellschaft WBG beteiligt. Also habe er sich an Prasser gewendet, der dem Kauf der Stallungen zwar grundsätzlich zugestimmt, ihn aber bezüglich einer Entscheidung an Kulterer verwiesen habe.

Schon am nächsten Tag hat laut L. das Treffen mit Kulterer in Klagenfurt stattgefunden. Als L. ihm von der Zustimmung Prassers zum Verkauf erzählt habe, "wurde Kulterer wütend: Prasser habe nichts zu sagen, da alle Entscheidungen von ihm getroffen werden, da die Firma Puris d. d. ihm gehöre", heißt es im Protokoll zur Zeugenaussage. Prasser halte die Puris-Anteile für ihn, Kulterer, treuhändig. Allerdings wollte sich Kulterer laut L. den Verkauf überlegen. Der Deal kam nie zustande.

L., den die Hypo wegen der Nichtbezahlung seines Kredits klagte und gegen den strafrechtliche Ermittlungen geführt und wieder eingestellt wurden, untermauerte seine Aussage mit diversen Fotos. Sie zeigen Traktoren, auf denen Schilder angebracht sind, wonach die Fahrzeuge Kulterer gehören, angeführt ist darauf seine Kärntner Adresse. Die Bilder will L. auf der Puris-Liegenschaft in Kroatien aufgenommen haben.

Lügendetektor

Zur Erinnerung: Kulterer selbst hat dem Wirtschaftsprüfer, der 2007 Kickbacks an die WBG in den Raum gestellt hatte, erklärt, die WBG sei gegründet worden, um landwirtschaftliche Maschinen einzubringen und (auch) Fremden zur Verfügung zu stellen. Dieses Geschäft sei aber nie aufgegangen.

Was die Puris-Eigentümerschaft betrifft, steht also Aussage gegen Aussage. "Kulterer war nicht an Puris oder anderen Firmen beteiligt, das ist frei erfunden", sagt einer seiner Anwälte.

L. wiederum hat den Ermittlern gleich einen Lügendetektortest mitgebracht, um seine Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen. Seine (laut Gutachten unbedenklichen) Antworten darin betreffen freilich Themen eines kroatischen Hypo-Verfahrens. In dem L. behauptet, mit Schmiergeldforderungen kroatischer Politiker konfrontiert gewesen zu sein. (Renate Graber, 9.6.2015)

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