Mario Kunasek: "Wir haben die SPÖ in vielen Bereichen abgelöst"

Interview9. Juni 2015, 07:21
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Der FPÖ-Spitzenkandidat hält eine Koalition mit der SPÖ in der Steiermark für unwahrscheinlich

STANDARD: Herr Kunasek, Sie sind in einem Grazer Arbeiterbezirk aufgewachsen. Warum sind Sie eigentlich nicht – was naheliegend wäre – zur SPÖ oder Grazer KPÖ gegangen, sondern zu den Blauen?

Kunasek: Ich bin zu Hause politisch nicht sozialisiert worden. Meine Eltern waren eher unpolitisch. Ich bin erst später beim Bundesheer, wo ich gesehen habe, dass man ohne Nähe zu einer Partei nichts werden kann, politisch geworden. Die Triestersiedlung, wo ich aufgewachsen bin, war nicht gerade das Hollywood von Graz. Es hat sich viel verändert. Heute leben viele Ausländer dort.

STANDARD: Da kam ja aus der Wiener FPÖ Landstraße jetzt die Forderung nach einer "Rückführung der bisher legal aufhältigen Fremden". Kurz: Deportation.

Kunasek: Das ist ein Blödsinn. Jeder, der integriert lebt, ist willkommen. Wenn sich jemand nicht an die Hausordnung hält, dann müssen wir uns sicher was einfallen lassen, aber zu sagen, alle Menschen, die sozusagen eine falsche Endung im Namen haben, dürfen nicht dableiben, ist Unsinn.

STANDARD: Wie würden Sie Ihre politische Gesinnung beschreiben?

Kunasek: Ich bin ein wertkonservativer Patriot, der auch ein sozialer Mensch ist.

STANDARD: Ist Jörg Haider ein politisches Vorbild?

Kunasek: Nein, ich habe kein politisches Vorbild.

STANDARD: Haben Sie Kontakt zu anderen rechtsnationalen Parteien in Europa?

Kunasek: Nein.

STANDARD: Es heißt, Sie und die Führung der steirischen FPÖ stünden unter dem starken Einfluss sehr rechter Burschenschafter.

Kunasek: Sie alle sind Teil unserer freiheitlichen Gemeinschaft. Ich habe da nie jemanden ausgegrenzt. Wir hatten schon immer mehrere Flügel, dazu gehört ein liberaler und eben auch ein deutschnationaler Flügel. Ich aber bin Realpolitiker. Wer sich nicht benimmt, fliegt jedenfalls raus.

STANDARD: Wie geht es jetzt in der Steiermark weiter? Werden Sie mit der ÖVP eine Koalition schmieden?

Kunasek: Grundsätzlich möchten wir mit allen reden. Wenn man aber wochenlang, wie von Franz Voves, angekübelt und angeschüttet wird, wird es schwierig sein, auf der menschlichen, persönlichen Ebene zusammenzukommen. Ich habe am Dienstag ein Gespräch mit dem Landeshauptmann und werde ihn fragen, ob er nach wie vor eine Zusammenarbeit mit uns ausschließt. Wenn er dabei bleibt, dann fällt die Option SPÖ sowieso weg. Dann werden wir halt schauen, inwieweit es mit der ÖVP inhaltliche Überschneidungen gibt. Die SPÖ hat sich selbst in die Isolation manövriert. Die ÖVP hat sicher eine bessere Ausgangssituation.

STANDARD: Aber auch Schützenhöfer fand wegen Ihres aggressiven, ausländerfeindlichen Wahlkampfs scharfe Worte der Abgrenzung.

Kunasek: Schützenhöher war in der Wortwahl anders. Er dürfte aus dem Wahlergebnis gelernt haben, dass man eine 27-Prozent-Partei nicht ausgrenzen kann. Das ist lobenswert.

STANDARD: Hat es mit der ÖVP schon Gespräche gegeben?

Kunasek: Ja, es gibt mit der ÖVP Gespräche mit dem einen oder anderen, nicht erst seit gestern, sondern schon seit Wochen und Monaten. Man sagte uns immer wieder: "Wir könnten ja mit euch zusammenarbeiten." Das kann natürlich auch Taktik sein.

STANDARD: Was ist von einer FPÖ in der Regierung zu erwarten? Scharfe Asylpolitik, Deutschtümelei, mehr Volkskultur?

Kunasek: Die Welt wird nicht untergehen. Natürlich müssen sich die Themen Zuwanderung, Asyl, aber auch Wirtschaft und Arbeitsplätze in einem Regierungspapier wiederfinden. Ich bin Realpolitiker, die Frage der Zuwanderung werden wir sicher nur ganz langsam mit besseren Aufteilungen lösen können. Wir sind eine soziale Heimatpartei und haben die SPÖ schon in vielen Bereichen abgelöst. Die FPÖ wird zur neuen SPÖ. Daher ist es auch nicht absurd, wenn wir das Sozial- und Arbeitsmarktressort wollen.

Mario Kunasek (39) stieg nach der HTL beim Bundesheer ein. Politisch startet er beim RFJ. Er sitzt seit 2008 im Parlament und fungiert als FP-Wehrsprecher. Kunasek war Spitzenkandidat für die steirische Landtagswahl, bei der die FPÖ 16 Prozent dazugewann. (Walter Müller, 9.6.2015)

  • Mario Kunasek wünscht sich das Sozialressort für die FPÖ.
    foto: reuters

    Mario Kunasek wünscht sich das Sozialressort für die FPÖ.

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