Novomatic schnappt sich Lotterien-Anteil

8. Juni 2015, 17:40
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Alles ist möglich: Novomatic erwirbt knapp acht Prozent der Lotto-Anteile von der B&C-Holding

Wien – Lang wurde über eine Übernahme der Casinos Austria AG (Casag) durch die Novomatic spekuliert. Nach einem klaren Dementi von Neo-Novomatic-Chef Harald Neumann schien die Sache abgewendet. Seine Aussage war zwar nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Denn nun greift der Konzern aus dem niederösterreichischen Gumpoldskirchen nach den Lotterien, der Cashcow der nicht allzu glücklich wirtschaftenden Casag.

Einen Fuß hat die Novomatic bei den Lotterien bereits in der Tür: Sie erwirbt den achtprozentigen Lotto-Anteil von der B&C Holding, die der Bank Austria nahesteht. Entsprechende STANDARD-Informationen wurden am Montag von der Holding bestätigt. "B&C vollzog diesen Schritt im Sinne ihrer langfristigen Portfoliostrategie und fokussiert sich damit weiter auf Beteiligungen an österreichischen Industrieunternehmen", erklärte der Konzern in einem per E-Mail übermittelten Statement. B&C hält unter anderem Mehrheitsanteile an Semperit, Amag und Lenzing.

Vorkaufsrecht verpuffte

Offenbar ist der Novomatic ein Schachzug gelungen, um die komplizierten Vorkaufsrechte bei den Lotterien aufzulösen. Zur Erklärung: Die Österreichische Lotterien Gesellschaft m.b.H gehört zu 68 Prozent der Casag, den Rest hielten mehrere Aktionäre wie B&C, ORF, mehrere Banken wie Erste Group, Hypos, Volksbanken, Raiffeisen, Bankhaus Schelhammer & Schattera und die Privatstiftung Melchart über die Lotto-Toto Holding.

Die Vorkaufsrechte gelten – so heißt es aus eingeweihten Kreisen – aber nur, wenn ein Gesellschafter seine Anteile veräußert. Nicht zum Zug kommt die Aufgriffsmöglichkeit, wenn der Gesellschafter als solcher den Eigentümer wechselt. Und das dürfte nun der Fall sein, indem die B&C-Tochter BAIH von der Novomatic geschluckt wird. Eingeweihte meinen, mit dem achtprozentigen Anteil könne Europas größter Glücksspielkonzern mit 23.000 Mitarbeitern zwar keinen echten Einfluss ausüben, habe aber bei künftigen Veränderungen einen Fuß in der Tür. Und Veränderungen stehen beim Erzrivalen Casag zweifelsfrei an.

Neuordnung am Markt

Indirekt ausgelöst hat die sich abzeichnende Neuordnung am Markt Finanzminister Hans Jörg Schelling: Der Bund will nach der Übernahme eines Drittelanteils an der Casag das Unternehmen zur Gänze erwerben und dann an die Börse zu bringen. Was vielfach die Frage aufwarf, warum die Republik Geld in die Hand nimmt, um auf einen besseren Ausstieg zu spekulieren.

Der Prozess gestaltet sich aber ohnehin schwierig, denn auch andere Bieter zeigten Interesse an der Casinos Austria. Was den Miteigentümern – unter ihnen wiederum Raiffeisen, Donau Versicherung und die Stiftung von Maria Theresia Bablik – dank des möglichen Mehrerlöses durchaus zupasskommt.

Prominente Interessenten

Unter den Interessenten befindet sich das Beteiligungsvehikel Epic des Investors Peter Goldscheider, der gemeinsam mit zwei tschechischen Milliardären die Fühler ausgestreckt hat. Auch Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und der frühere Chef der Raiffeisen Bank International, Herbert Stepic, sollen mitmischen. Dass sie von Hans Peter Haselsteiner vorgeschickt werden, lässt sich nicht erhärten.

Medial kolportiert wurden auch die Dorotheum-Eigentümer, die Brüder Soravia, die Familie Dichand und der Investor Michael Tojner. Als preisliche Messlatte werden 400 Millionen Euro für die gesamte Casag genannt. Dass der Wert deutlich gestiegen sei, weil das Unternehmen im Vorjahr wieder einen Gewinn geschrieben hat, wird von einigen Branchenkennern als nicht sehr stichhaltig dargestellt. Wie auch immer die Transaktion ausgeht: Novomatic hat sich vorerst einmal in Stellung gebracht. (Andreas Schnauder, 8.6.2015)

  • Ob Novomatic 6 aus 45 getippt hat,  lässt sich noch nicht sagen. Jedenfalls hat der Glücksspielkonzern acht  von 100 Prozent in der Tasche – nämlich Anteil an den Österreichischen  Lotterien.
    foto: apa/fohringer

    Ob Novomatic 6 aus 45 getippt hat, lässt sich noch nicht sagen. Jedenfalls hat der Glücksspielkonzern acht von 100 Prozent in der Tasche – nämlich Anteil an den Österreichischen Lotterien.

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