"Hooligan-Freizeitpark" Magaluf bekommt Benimmregeln

8. Juni 2015, 16:23
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Trinkexzessen auf Mallorca sollen nach dem Ballermann nun auch in Magaluf durch eine Verordnung ein Riegel vorgeschoben werden. Wer sich um die Durchsetzung der neuen Regeln kümmert, bleibt aber offen

Jack rümpft die weiße Nase voller Sommersprossen. Der Ballermann ist für ihn "ein lahmer Kinderspielplatz". "War einmal da, kannst du vergessen. Richtig abgefeiert wird nur hier bei uns", sagt der junge Supermarkt-Angestellte aus London mit erhobenem Zeigefinger. Mit "bei uns" ist Magaluf auf Mallorca gemeint.

Die vor allem bei Briten beliebte Urlauberhochburg hat dank häufiger Eskapaden trinkfreudiger Touristen den Ballermann als berüchtigtste Partymeile der spanischen Insel abgelöst. Doch Politiker, Hoteliers und Einwohner wollen jetzt die Notbremse ziehen. Sie haben gemeinsam neue, strenge Benimmregeln erarbeitet, die an diesem Dienstag in Kraft treten.

Neues Sodom und Gomorra

Als "Freizeitpark für Hooligans" bezeichnete Kolumnist Jorge Montojo Magaluf jüngst in der spanischen Tageszeitung "El Mundo". Nachbarn sprechen bereits von einem neuen "Sodom und Gomorra". Schon am ersten Juni-Wochenende ging es jedenfalls wieder hoch her in der Straße Puerto Ballena, dem 600 Meter langen Epizentrum der wilden Feiern: Einige prügeln sich im Suff, andere rennen halb- oder ganz nackt grölend durch die Straßen. Das Pinkeln auf offener Straße gehört ebenso zum Normalbild wie die vielen Dutzend, die den Rausch auf Straßenbänken oder dem Gehsteig ausschlafen.

"Wir sind es leid, dass wegen des schlimmen Verhaltens einer relativ kleinen Gruppe von Touristen unser aller Ruf ruiniert wird", sagte am Wochenende der Präsident des Hotelierverbandes von Palmanova und Magaluf, Sebastian Darder. Und der 58-Jährige fügt hinzu: Er sei sehr zuversichtlich, dass die am 21. Mai vom Gemeinderat von Calvia erlassenen Verordnungen dem "wilden Treiben" schnell ein Ende setzten.

Keine nächtlichen Drinks im Freien

Mit den Benimmregeln folgt man dem Beispiel von Palma, das im vorigen Jahr für die Gegend um den Ballermann Saufgelage unter freiem Himmel verboten hat. Künftig soll es in Magaluf zwischen 22 und 8 Uhr untersagt sein, im Freien Getränke zu sich zu nehmen. Zudem soll ab Mitternacht der Verkauf alkoholischer Getränke verboten werden. "Oben ohne" soll nur an der Playa oder in unmittelbarer Strandnähe geduldet werden. Auch die Wirte werden in die Verantwortung genommen: Für organisierte Lokaltouren werden strenge Einschränkungen eingeführt. Und Lokalbesitzer müssen davon Abstand nehmen, "sexuelle Handlungen zu fördern", betont Darder.

Neben der Eindämmung von Trink- und anderen Exzessen will man auch das berüchtigte "Balconing" bekämpfen. Bei solchen Mutproben-Sprüngen oder -Stürzen von Hotel-Balkonen starben 2014 sechs junge Leute, im Mai gab es bereits wieder das erste Todesopfer der neuen Saison zu beklagen. In einer ersten Phase werde es in Magaluf allerdings keine Geldstrafen, sondern nur Verwarnungen geben, heißt es.

Geringes Durchsetzungsvermögen

Die meisten in Magaluf sind unterdessen skeptisch, dass die neuen Regeln greifen. Am Ballermann sei es ja auch nicht wirklich besser geworden, meinen viele. "Es wird leider alles beim Alten bleiben", sagt ein Polizist, der anonym bleiben möchte. Tourist Jamie und Kumpel Kevin - die betonen, zwar gern zu feiern, Prügeleien und andere Exzesse aber abzulehnen - denken genauso. "Wie will man so etwas wirklich durchsetzen? Da müsste schon die Armee hierherkommen", sagen die Mittzwanziger aus Schottland und Neuseeland unisono.

Darder hat jedoch einen Trumpf im Ärmel. Die Unruhestifter sollen nicht unbedingt erzogen, sondern vielmehr "vertrieben" werde, wie der Hotelpräsident durchblicken lässt. Allein der große spanische Hotelkonzern, für den Darder arbeitet, hat in Magaluf in den letzten Jahren 120 Millionen Euro investiert, um das Niveau des Angebots zu erhöhen und zahlungskräftigere Besucher anzulocken. Wenn alles teurer wird, so hofft man, werden sich Jamie, Jack und Kevin anderswo austoben müssen. (APA, dpa, red, 8.6.2015)

  • Die Straße Puerto Ballena gilt als Epizentrum der Exzesse in Magaluf. Wer die neuen Benimmregeln für den Urlaubssort auf Mallorca durchsetzen soll, ist noch unklar.
    foto: reuters / enrique calvo

    Die Straße Puerto Ballena gilt als Epizentrum der Exzesse in Magaluf. Wer die neuen Benimmregeln für den Urlaubssort auf Mallorca durchsetzen soll, ist noch unklar.

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