Illegale Vogeljagd bedroht Fortbestand der Weidenammer massiv

13. Juni 2015, 08:52
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Als Delikatessen geltende Singvögel werden in Asien massiv bejagt. Die Population der Weidenammer brach um fast 90 Prozent ein

Boston - Die Population der Weidenammer (Emberiza aureola) ist einer Studie zufolge weltweit um 90 Prozent eingebrochen. Die Ursache dafür will nun ein internationales Forscherteam identifiziert haben: Die illegale Jagd auf die Singvögel in China. Dort gilt die Art als Delikatesse, wie die Wissenschafter aktuell in der Fachzeitschrift "Conservation Biology" schreiben.

Zwar steht die Weidenammer seit eineinhalb Jahren auf der internationalen Roten Liste für gefährdete Arten. Der neuen Studie zufolge ist der Populationsrückgang dennoch dramatisch. 1980 schätzten Ornithologen den weltweiten Bestand noch auf Hunderte Millionen Tiere. Bis 2013 schrumpfte diese Zahl um 90 Prozent. So verschob sich das eurasische Verbreitungsgebiet der Weidenammer um 5.000 Kilometer nach Osten. Im europäischen Teil Russlands gilt der Vogel mittlerweile als so gut wie ausgestorben.

Auch andere Singvögel betroffen

Laut der Studie erstreckten sich die Brutgebiete des Vogels ehemals über 16 Millionen Quadratkilometer von Finnland im Westen bis zur Pazifikküste und Japan im Osten. Um zu überwintern, ziehen die Tiere über China nach Südostasien. "Ein so schneller und starker Rückgang einer über ein solch riesiges Gebiet verbreiteten Art ist sehr selten", betont Johannes Kamp, Erstautor der Studie und Landschaftsökologe an der Uni Münster.

"Wir kratzen mit unserer Studie gerade an der Oberfläche eines Problems, das ein noch größeres Thema werden wird - auch andere Singvogelarten sind betroffen", so Kamp. Ob es noch weitere Faktoren neben der illegalen Vogeljagd für den Rückgang gibt, können die Forscher nicht ausschließen. Hinweise auf Krankheiten oder Pestizide gebe es bisher aber nicht.

Blühender Schwarzmarkt

Obwohl China versuche, Wilderei und illegalen Verkauf der Vögel einzudämmen, seien die Tiere leicht auf dem Schwarzmarkt erhältlich, so der japanische Ornithologe und Mitautor Simba Chan. Bei eine Razzia im Jahr 2011 hatte die chinesische Polizei nach Angaben der Forscher im Südosten Chinas zwei Millionen gefangene Singvögel beschlagnahmt. Darunter waren auch 20.000 Weidenammern. Nach Hochrechnungen der Forscher sei von jährlich mehreren Millionen gefangenen Weidenammern in Südostasien auszugehen.

Für die Studie werteten die Wissenschafter Daten von Langzeitbeobachtungen verschiedener Brutgebiete aus Finnland und Russland mit Schwerpunkt Sibirien aus. Mithilfe von Computersimulationen stellten sie bei der Bestandsentwicklung Zusammenhänge mit den aus China bekannten Wildereizahlen her. (APA, red, 13.6.2015)

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