Wohnen im Porsche

23. Juni 2015, 09:44
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Was kostet der Quadratmeter Porsche? Im Fall einer Villa des Porsche Design Studio ist er ab 5.000 Euro zu haben. Seit eineinhalb Jahren sind die Luxusvillen am Markt

Ein Quadratmeter Porsche um 5.000 Euro: Das mutet schon fast als Schnäppchen an, wenn man sich die Preise der deutschen Edelkarossen anschaut. Grob überschlagen kommt man nämlich beim Klassiker Porsche 911 schon auf knappe 14.000 Euro, beim Plug-in-Hybrid-Supersportler 918 Spyder mit Weissachpaket auf stolze 94.333 Euro pro Quadratmeter.

Zugegeben: Als fixe Größe haben sich Quadratmeterpreise bei Autos noch nicht wirklich durchgesetzt – dafür sind sie aber bei Immobilien umso aussagekräftiger: Seit eineinhalb Jahren mischt Porsche mit seinem Porsche Design Studio nämlich auch am Luxusimmobilienmarkt mit.

Schnäppchen sind die vom Münchener Unternehmen Timeless Homes gebauten Villen mit ihren Quadratmeterpreisen ab 5.000 Euro natürlich trotzdem nicht – auch weil so eine Villa halt am Ende doch auf eine größere Bruttogeschoßfläche als ein Auto kommt und nicht zuletzt weil der Porsche vor der standesgemäßen Villa ja auch nicht fehlen darf. Das bestätigt auch Michael Gössl, Geschäftsführer von Timeless Homes: "Man sollte schon einen Porsche besitzen", sagt er.

Holz- oder Massivbauweise

Mit "puristisch, elegant, wohnlich und nicht steril" beschreibt er die Häuser, die er bisher gebaut hat. Vieles, was unter dem Deckmantel moderner Architektur verkauft wird, sei zu glatt: "Wir legen Wert darauf, dass man sich nicht wie in einem Operationssaal vorkommt."

Die Domizile kommen in unterschiedlichen Varianten und wahlweise in Holz- oder Massivbauweise daher. Sie tragen vielversprechende englische Namen wie Weightless, Fearless und Limitless. Bei ersterer Version schwebt ein Block fast schwerelos über dem Boden, die Front ist aus Glas und gibt den Blick in das exklusive Innere des Hauses frei. Davor parkt selbst auf dem Rendering der Porsche.

Nicht nur das nötige Kleingeld, auch eine Affinität für Autos und moderne Architektur bringen die Interessenten, die bisher aus Deutschland, Österreich und Russland kamen, mit, berichtet Gössl. Was die Villen von anderen Luxusimmobilien unterscheidet? Wer die Marke kenne, der werde auch die Formensprache bei der Innen- und Außengestaltung erkennen, ist er überzeugt: "Das ist die unverwechselbare Handschrift des Porsche Design Studio."

Wunschliste

Im Normalfall kauft sein Unternehmen ein Grundstück in einer Toplage, baut darauf ein Haus und verkauft es dann fertig ausgestattet. Doch in diesem Preissegment ist natürlich auch die Mitsprache von Kunden möglich. Ganz oben auf der Wunschliste: "Ein offener Wohn-Ess-Koch-Bereich, keine kleinen Räume, große Schlafzimmer mit eigenem Bad." Und das Bad selbst werde immer mehr zum privaten Wellnessbereich mit Hotelstandard.

Gössls Resümee nach den ersten eineinhalb Jahren am Markt fällt positiv aus: Eine Villa im Münchener Nobelvorort Grünwald wurde bereits verkauft. Hinter dem Stanglwirt im Tiroler Going wurde gerade ein Luxuschalet, das "außen traditionell, innen sehr hochwertig" ist, fertiggestellt. Eine deutsche Käuferin dafür sei "mehr oder weniger" bereits gefunden. Mittlerweile gebe es in Going schon Pläne für ein ganzes Chaletresort. Auch bei München seien zwei weitere Projekte auf Schiene. Und ein Heimspiel soll es ebenfalls geben: In Zell am See, der Heimat des Porsche Design Studio, wird in Kooperation mit Tui Ferienhaus ein Ferienimmobilienprojekt der Marke Timeless Hideaways im Porsche-Design entstehen. Derzeit befinde sich auf dem Grundstück noch Altbestand. "Aber wenn der erste Schnee kommt, soll der Rohbau stehen." Hier rechnet Gössl auch mit Besuch aus dem arabischen Raum.

Die Villa soll als Musterhaus dienen und wochenweise vermietet werden. Denn ein Auto will probegefahren, eine Villa eben probegewohnt werden. Für die Entscheidungsfindung kann im Musterhaus dann wochenweise geurlaubt werden – wer sich für eine Porsche-Villa entscheidet, bekommt sein Geld dann wieder zurück.

Keine Angst vor Nachahmern

Unter die Häuslbauer ist bisher jedenfalls noch kein anderer Autokonzern gegangen – auch wenn man es bei Porsche angeblich nur ungern hört, dass der Konzern selbst im Immobiliengeschäft tätig ist. Es sei vielmehr die Tochtergesellschaft Porsche Design Studio, die 1972 gegründet und 2003 in den Konzern eingegliedert wurde.

Nachahmer fürchtet Gössl nicht: "Das kann ich mir für andere Automarken nicht vorstellen." Die Besonderheit des Porsche Design Studio sei nämlich, dass es "dementsprechend aufgestellt" sei. Es habe sich bei Produktdesign und Möbeln schon hervorgetan – und hat ein dementsprechend breites Angebot: Wenn es am Ende also weder für das Haus noch für das Auto reicht, dann wird man vielleicht wenigstens bei den Accessoires fündig: Ein USB-Kabel gäb's zum Beispiel schon um elf Euro. (Franziska Zoidl, Rondomobil, 20.6.2015)

  • Die Varianten Weightless ...
    visualisierung: timeless homes

    Die Varianten Weightless ...

  • ... und Limitless bieten große Glasfronten für viele Einblicke ins durchdesignte Innere. Und egal, ob Porsche-Villa oder nicht: Ein 911er-Klassiker vor dem Haus macht sich bekanntlich immer gut.
    visualisierung: timeless homes

    ... und Limitless bieten große Glasfronten für viele Einblicke ins durchdesignte Innere. Und egal, ob Porsche-Villa oder nicht: Ein 911er-Klassiker vor dem Haus macht sich bekanntlich immer gut.

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